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Thursday, December 29, 2011

Macht und Gewalt

Mein zweites Buch von Hannah Arendt nach Eichman in Jerusalem, welches mich sehr beeindruckt hatte, Macht und Gewalt hatte leider nicht die gleiche rhetorische Kraft und intellektuelle Brillanz, wie das erstgenannte. Nichtsdestrotz unterscheidet Arendt hier sehr interessant zwischen Gewalt und Macht, wobei sie erstere fast als Zeichen von Machtlosigkeit ansieht. Ihre Diskussion bleibt aber zu oft sehr in ihrer Zeit verwurzelt, der Studentendemonstrationen der 60er und 70er Jahre. Nur noch ein schoenes von ihr benutztes Chomsky Zitat - im Gedenken an Griechenland und Italien:
Welche Gründe sprechen denn überhaupt für die Annahme, dass diejenigen, die auf Grund ihrer Kenntnisse und technischen Fähigkeiten Macht für sich beanspruchen, segensreicheren Gebrauch von ihr machen werden als diejenigen, deren Anspruch sich auf Reichtum oder aristokratische Herkunft gründet?

Monday, December 26, 2011

Darkness at Noon

Arthur Koestler is another one of those mythic intellectual figures of the 20th century comparable to Beauvoir, Sartre, and Malraux - random insertion: Weird that I automatically thought of French people here. Another one would have been Camus, a pied noir. Koestler's novel Darkness at Noon had originally been written in German (Sonnenfinsternis) but with the original lost the English version comes closest to the text of origin having been translated only once.

The author, formerly Communist himself, describes the fate of one Rubashov who faces trial in a schizophrenic totalitarian-socialist regime that he had helped built. Koestler here really mirrors the Moscow trials, Stalin's - successful - attempt to kill of and discredit the ones who had helped construct the Soviet Union in the first place. Rubashov and his contemporaries essentially are being forced to face the monster, the generation, that they themselves created. This generation does not doubt the infallibility of the party, of its No 1. While Rubashov in the course of his work came to doubt party decisions and its victims, well-meaning detractor of the party line, opponents to immoral attempts to assure economic success, his younger successors have learned to never shy away from that human cost.

Rubashov in the end, whether out of a need of self-sacrifice for a greater good or because of the physical pressure brought upon him, decides to toe the party line once more and implicates himself as a traitor and collaborator with foreign powers. A sad, but extremely humane story of a man in horror of what he helped create yet still unable to truly shake off its utopian appeal.

Sunday, December 18, 2011

Groschenroman

Martin Keunes Groschenroman gibt das das Leben von Axel Rudolph einem Lebenskünstler, Frauenheld und Pop-Literaturautor des Anfang des 20. Jahrhunderts wieder. Rudolph wurde unter den Nazis aufgrund seines mangelnden Anpassungsvermögen, seiner post-nationalen Identitätsmerkmalen sowie wohl einfach eines ungesunden Alkoholkonsums mit all seinen Folgen ermordet. Er war kein Widerstandskämpfer, starb aber als solcher und vor allem als ein einfacher Mann, welcher sich nicht verbiegen konnte oder wollte.

Rudolphs Lebensgeschichte ist faszinierend. Seine Zeit in Russland während des Ersten Weltkrieges, als Gefangener, eine Periode in einem Lager in Dänemark, welche ihm das Land nahe brachte und zwei Kinder sowie eine Frau bescherte. Seine Arbeitslosigkeit, seine Armut, ja seine Obdachlosigkeit in der Weimarer Zeit gefolgt von seinem Aufstieg zum erfolgreichen Abenteuerliteraturautor. Insgesamt stellt Rudolph noch verstärkt durch sein tragisches Ende ein bewegendes und interessantes Stück Geschichte dar.

Leider schafft Keune es nur begrenzt aus dem Material einen guten Text zu formen. Er will einerseits den Fakten treu bleiben, aber andererseits einen Roman schreiben. Notgedrungen schafft er beides nicht. Die Biographie wird durch eher schwache Dialoge und zu offensichtlichen pop-psychologischen Erklärungsversuchen geschwächt. Der Roman leidet unter den zusammenfassenden, biographischen Erklärungen. Schade, dass aus diesem Potential so wenig gemacht wurde, gerade weil vor allem die biographischen Teile des Buches wirklich aufschlussreich sind und eigentlich nur die literarische minderwertigen Dialoge und andere poetischen Ausschweifungen die Lektüre ein wenig verderben.

Sunday, December 11, 2011

L'attentat

Je ne sais pas qu'est-ce que c'est exactement avec la littérature algérienne. Peut-être quelque chose dans l'eau la-bas. En tout cas je kiffe vraiment vaque auteur algérien que j'ai lu jusqu’à maintenant - admettons, il n'y en pas trop. Cette fois-ci c'est Yasmina Khadra et on livre L'attentat. Son livre décrit les tentatives d'un palestinien de nationalité israélien, bien intégré, voir riche et avec beaucoup de succès comme médecin, qui gère - ou pas - le suicide de sa femme en tant que bombe humaine.

Sujet très difficile, et Khadra souvent - parfois? - prend des positions auxquelles j'ai du mal de m'accorder. Mais il n'entre pas trop dans le jeu politique et peint un conflit israélite-palestinien sans vrai personnage vilaine. Ce suffit pour lui de démontrer la violence, le conflit intra-palestinnienne, le racisme quotidien envers des palestiniennes vivant en Israël mais son raisons d’être. Un livre comme un ouragan qui emmène le lecteur avec lui sans qu'il puisse s’arrêter ni savoir ou il en va finir.

Eine Übertragung

Meine Kenntnisse der DDR-Literatur summierten sich bisher auf nicht ein einziges Buch befürchte ich. Wolfgang Hilbigs Eine Übertragung besitze ich glaube ich schon seit fast zehn Jahren, es wird irgendwann ein Geschenk oder Kauf gewesen sein. Es ist nichts als ein großer Zufall, dass ich es jetzt mit nach Tunesien nahm und hier meine erste Auseinandersetzung mit dem literarischen Osten hatte.

Hilbig ist ein schwieriger Autor, sein Roman ist nur schwer verständlich, dominiert von schwer zu folgenden Monologen ab und an aufgelockert durch leichter nachvollziehbarere Dialoge und Szenenbeschreibungen. Ich hatte zu kaempfen an diesem Buch muss ich eingestehen, das hing auch damit zusammen, dass ich nur selten genug Zeit hatte einfach mal länger am Stück darin zu lesen, aber Hilbig will auch glaube ich einfach seinem Leser das Leben nicht unbedingt vereinfachen.

Trotzdem bleibt ein eindrucksvolles Gesamtbildnis der späten DDR-Jahre übrig, die Sinn- und Wahllosigkeit der Gefangenenjahre, die IM-Tätigkeitsangebote, der Seelenausverkauf, aber auch das spießige soi-disant normale Leben. Ein schwieriges Buch aber ein gutes Buch.

Friday, November 25, 2011

Deutschland, Deine Schande

Ich konnte mich lange nicht entscheiden, wie ich auf die Enthüllungen um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) reagieren sollte. Ich verspürte nur ein vages Gefühl des Grauen, des Schocks. Wie kann so etwas in Deutschland heutzutage möglich sein? Ich meine hiermit gar nicht die Mordtaten oder den Rechtsterrorismus als solche(n). Mölln, Rostock, Dresden, insgesamt mindestens 146 Opfer seit 1990 dürften ausreichend klar gemacht haben, dass solcherart Gräueltaten zur Normalität Deutschlands gehört. Nein, was mich vielmehr schockiert, ja erschreckt, ist die begleitende Reaktion der deutschen Öffentlichkeit in der Vergangenheit und bis zu einem gewissen Grade auch heute noch.


Eine Gruppe von mindestens drei landesbekannter Neonazis taucht ab und verbringt mit Unterstützung von Kumpanen - gar - unabsichtlich? - staatlichen Organen? -  14 Jahre im Untergrund. In dieser Zeit ermorden sie neun Mitbürger türkischen bzw griechischen Hintergrundes sowie eine - zufälligerweise? - aus Thüringen stammende Polizistin. Zehn Opfer also, neun davon mit der gleichen Waffe, eine Sonderkommission (Bosporus) ermittelt. Skandalös, ja furchterregend, genug muss man sagen. Ist die Polizei, der Verfassungsschutz, einfach nur inkompetent oder gab es gar Kontakte zu den Tätern - siehe den Verfassungsschützer präsent Minuten vor dem letzten Mord in Hessen, den falschen Reisepass von Uwe Mundlos.

Jetzt aber kommt erst der eigentlich Skandal. Niemand merkt, dass es sich hier um Rechtsterrorismus, um feige ausländerfeindliche Morde handelt!. Laut FR gab es in den Archiven der deutschen Zeitungen einen (1!) Artikel, welcher diese Möglichkeit in Betracht zog. Die Reaktion der Polizei schien sich auf Ausländer = Bandenkriminalität zu beschränken, selbst die eigens herangezogenen Profiler wurden ignoriert. Beteuerungen der Verwandten der Opfer über das brave Kleinbürgertum derselben blieben im - wohl unterbewussten, aber gerade deswegen so erschreckenden - inhärenten Rassismus der Polizei aber auch der Medienöffentlichkeit hängen.

Der Deutsche heute mag (und 'darf') zwar Patriot sein, zu agierendem Ausländerhass, zu Mord und Totschlag kann das in den Köpfen der Polizei, Politik und (Mehrheits-)gesellschaft aber nicht führen. Es gibt in Deutschland eine Regierung(spartei), welche seit Jahren vor der unterschätzten Gefahr des Linksextremismus warnt, welche vor eingebildeter 'Deutschfeindlichkeit' auf den Schulhöfen warnt, welche brennende Autos als Gefahr für die Demokratie und neue Dimension des Extremismus betrachtet. Dieselbe Regierung und ihre ausführenden Organe merken dann nicht, dass es einen mordenden Rechtsextremismus in Deutschland gibt, der ja vielmehr als zehn Opfer auf dem Gewissen hat? Kriegt es nicht mit, dass eine Bande feiger Mörder wehrlose Migranten abknallt und einen Banküberfall an den anderen reiht (sieben in der selben Stadt!)? Gehts noch?

Die Polizei und der Verfassungsschutz ignorieren die Opferverwandten, welche offen von rechtsextremen Taten sprechen, stattdessen recherchieren sie in der Türkei. Sie ignorieren, dass in der rechten Szene Lieder über die Täter und über die Opfer gesungen werden. Was machen diese V-Männer eigentlich den ganzen Tag über? Die erwähnte Regierung(spartei) verklausuliert sich mittlerweile die zu ihrem Weltbild passende Extremismushackordnung zu recht.

Aber das ist noch nicht alles, denn wie bereits erwähnt, wo waren denn die Medien, wo waren wir denn? Wir haben (fast) alle die blinde Assoziation Ausländer und Bandenkriminalität ohne jedwedes Hinterfragen akzeptiert. Was sagt das eigentlich über die deutsche Gesellschaft? Da sitzt der moderne deutsche Bürger der Berliner Republik, erfreut sich an seinem neu gefundenen Jubelpatriotismus, daran, dass die Fußballnationalmannschaft endlich spielen kann, kritisiert die faulen Griechen, welche nur an unser Geld wollen und ergibt sich in selbstgerechter Eigenbeweihräucherung über Deutschlands (Export-)wirtschaftserfolge und sein ach so moderates ab- und auf geklärtes Weltverständnis.

Pustekuchen. Zehn Mitbürger sind tot. Ermordet. Neun davon einfach, weil ihre Hautfarbe nicht zur gängigen ausgebleichten Variante passte, weil sie immer noch Schnurrbärte trugen, weil sie nicht 'Deutsch' genug waren. Und was ist dem eben beschriebenen deutschen Bürger? Der weltoffenen, moderaten, gebildeten, qualitativ-hochwertigen deutschen Presse? Er/sie kriegt es nicht mit! Der Fall wird nicht einmal mehr ignoriert, seine offenkundigste (siehe unseren bereits erwähnten Profiler sowie die Verwandten der Opfer) Lösungsvariante wird einfach nicht als Möglichkeit wahrgenommen.

Stattdessen jetzt die große Überraschung, aber man konnte es ja nicht ahnen, nicht einmal in der rechten Szene (laut Spiegel) und es ist sowieso eine ganz neue, unvorstellbare Dimension. Entschuldigungen über Entschuldigungen, eine schwächer als die andere.

Man ignorierte (Ausnahme: Die Linke) einfach jahrzehntelang die Opfer rechter Gewalt, man glaubte sich sicher als moderner Biedermann in seinem selbstgerechten Sud. Und jetzt folgt eine vorhersehbare Diskussion über ein Verbot der NPA, über den Sinn und Unsinn der V-Maenner in der rechten Szene, alles relevante Fragen. Aber viel wichtiger ist doch, was all dies eigentlich für die Gesellschaft (und ihre Medien) bedeutet, was für einen - teils versteckten und unterbewussten - Rassismus muss man aufarbeiten? Wie kann man als rapide alternde Gesellschaft die - nötigen - zukünftigen Immigranten willkommen heissen? Aus den Fehlern der Vergangenheit lernen? Das ist doch die Diskussion, die wir jetzt führen müssen. Was haben wir, Politik, Medien, Gesellschaft, falsch gemacht? Was müssen wir ändern? Sarrazin und andere verdienen sich dumm und dämmlich um als angeblich tabubrechende Provokateure unter lautem Beifall der Bevölkerung auf den sogenannte Ausländern rumzuhacken, hört auf damit fangt an auf Euch selber rumzuhacken. Das ist offenkundig viel nötiger.

Diese Fragen wurden natürlich von einigen Medien aufgegriffen, die FAZ, die FR befassten sich damit. Leider aber zu wenige zu wenig und vor allem natürlich zu spät.

Publius Abroad Update

Just a few updates on what I've written on my Publius Abroad blog:

On the Eurozone, don't expect this to be over before 2013 and reconsidering it. Additionally, Germany's Master Plan for Europe or rather lack of it.

And a statistical and graphical breakdown of final electoral results in Tunisia.

Wednesday, November 23, 2011

Good Hearts

Following up on Reynolds Price's first book A Long and Happy Life, Good Hearts shows the couple he had portrayed earlier as young adults in their middle age. I have to admit that I was a bit disappointed by the novel, I had really, really enjoyed the earlier one and thought that Good Hearts was a bit too normal, too non-Southern, too average. Price's language moved away from the convoluted Southern writing I enjoy, its theme was much less Gothic and dark and far too suburban, modern American. 

This is a question of personal taste of course and as such I have nothing to reproach Price, I just wasn't expecting a novel on average Joe's mid-life crisis, with a happy ending, and a too good to believe moral approach. The redneck main character has some homosexual experience, the rapist really is a nice guy and the raped woman effectively forgives him. How credible is all that really? A quick read, not a bad one either, but nothing more than that.

Friday, November 11, 2011

Alexandre Dumas à Tunis

Je suis en train d'attraper les observations sur les livres que j'ai dernièrement lus, ce qui ne jamais bien. Mais hélas, ça arrive malheureusement. Alexandre Dumas à Tunis - Impressions de voyage a été écrit par Dumas père mais ici a été excepté par une maison d’édition tunisienne. Je crois que le récit faisait parti d'un texte plus longue auparavant qui contient aussi des détails du voyage de Dumas et compagnie en Espagne et Algérie.
Dumas voyageait très classe sur un vaisseau de la marine française et visitait Bizerte et Tunis seulement en Tunisie. Quand même ses observations restent pertinentes et intéressantes, il a clairement lu un peu sur le sujet et avoir eu des échanges avec des autres qui s'y connaissaient mieux. Ses descriptions de certains scènes de châtiment, une exécution typique sur Bab Souika (!), ainsi que des relations hommes-femmes et femme en ville contre femme dans le désert sont assez révélateur. Le livre reste court et plain de détails peu pertinent - le succes de la chasse partout - mais m'a donne un aperçu intéressant d'un Tunis qui n'existe plus vu par un étranger lettré.

Tuesday, November 01, 2011

Publius Abroad

I am running a new endeavor by the way. Publius Abroad

Here my first three posts on Tunisian elections, the Bundestag's decision on the Eurozone crisis last week, and the following summit.

Sunday, October 30, 2011

Opa war kein Nazi

Selten hatte ich das Gefühl, daß ein wissenschaftliches Buch mich auf einer solch persönlichen Ebene ansprach wie Opa war kein Nazi - Nationalisozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis von Harald Welzer, Sabine Moller und Karoline Tschuggnall. Die Autoren basieren sich für ihre Analyse auf 40 qualitative Studien geschichtlicher Familiendiskurse bzw der in Einzelgesprächen dargelegten Wahrnehmung der im Familienkreis behandelten Geschichten und Geschichte. 

Die Autoren zeigen in ihrem Werk auf wie Geschichte im Familienkreis einerseits gemeinsam kreiert wird, daß Familienmitglieder unterschiedlicher Generationen sich also durch Konzentration auf unterschiedliche Elemente auf eine allgemein akzeptierte Version einigen und hierbei inhärente unlogische ja absurde Aspekte ignorieren. 

Während ich dieses sich Geschichte zurechtbiegend (-lügend?) noch von einer elitär-intellektuellen Stanze heraus herablassend amüsant befand, blieb mir diese selbstimagebewahrende Perspektive im weiteren leider verwehrt. Vielmehr schockierte mich die - fast - absolute Deckungsgleichheit meiner selbst erfahrenen Familiengeschichten mit der hier dargegeben allgemein gültigen durchschnittlichen Geschichte.

In den von den Autoren betrachteten Studien konzentrieren sich die Erinnerungen der deutschen Familien auf Leidens- und Heldensgeschichten. Die ersteren beziehen sich hierbei wohl vor allem auf die Heimat und werden wohl auch deswegen vor allem von weiblicher Seite weitergegeben. Konkret betrachtet was ist es, daß ich von meinen beiden Großmüttern über ihre Kriegserfahrung erzählt bekommen habe? Die Luftangriffe, die Nächte im Keller, die mangelnde Versorgung bzw das seltene Erlebnis bei einem Bauern mehr oder etwas besonderes zu Essen gehabt zu haben. 

In die Heldensgeschichten übergehend wird der oder die fremde Zwangsarbeiter(in), welche(r) beim gleichen Bauern tätig war, als zwar nicht am gleichen Tisch sitzend aber doch im durch eine offene Tür verbundenen Flur speisend dargestellt. Strengstens verboten aber trotzdem gewagt! Schließlich waren essenziell alle relevanten erwähnten Familienmitglieder, weitere Verwandten und Nachbarn gute Menschen, welche sich ähnliche wie Juden, Kommunisten, Schwule und Ausländer vor den - wenigen - 150% Nazis zu fürchten hatten. Die fast schon lächerliche Übertreibung, welche aus einem Akt der Ausgrenzung (der Fremdarbeiter isst im Flur) einen Akt des Widerstandes macht (es war schließlich verboten, sie wagten es trotzdem, impliziert wird, daß dies unter Einsatz ihres Lebens stattfand) wird im Familienkreis (von mir!) kritiklos hingenommen ja positiv eingestuft. Die Tatsache, daß die Zeitzeugin (meine Oma) ohne jeden Kde ommentar der Wertung über den zur Arbeit gezwungenen Ausländer hinweg geht, ja diesen kaum als menschliches Wesen auf dem gleichen Niveau der anderen handelnden Charaktere wahrnimmt, wird ignoriert.

Soldatische Heldengeschichten gehen in ähnliche Richtungen. Einer meiner Großväter wurde mit samt seines Bootes vor der griechischen Küste versenkt und verbrachte mehr als sieben Stunden im Wasser. Er mußte dann nach dem Zusammenbruch der Besatzungsarmee sich - mehr oder weniger alleine - durch Jugoslawien nach Deutschland zurück durchschlagen - gegen Partisanen, Hunger und die zu Fuß zu bewältigende Strecke als solche. Mein anderer Großvater erzählte oft wie er zusammen mit einem Kameraden an der Ostfront von seiner Einheit abgetrennt wurde und sich auf einmal von sowjetischen Truppen umgeben wieder fand. Sein fanatischer Kamerad wollte in einer Art heldenhaften Kamikazeattacke diese nichtsahnenden Soldaten angreifen. Mein Opa - als voix de raison - stoppte ihn in letzter Sekunde und die beiden konnten sich so lange versteckt halten bis die sie umgebende Truppe wieder abgezogen war.

Eindrucksvolle Helden- und Leidensgeschichten alle miteinander und wie so viele andere den Großvater oft den fanatischen Nazis gegenüber sich abgrenzend zeigend. Doch einer meiner Großväter war fast zwei Jahre in Piräus stationiert, der andere war mindestens ein Jahr in der Etappe irgendwo in der (weiß-?)russischen Steppe. Was machten sie dort? Der Partisanenkrieg in Griechenland war grausam, insgesamt wurden etwa 70.000 bis 80.000 Griechen [...] getötet, rund 1.700 griechische Dörfer zerstört (link). Hinter der Front im Osten waren die Einsatzgruppen tätig, es galt der Kommissarbefehl, es starben mehr als die Hälfte der sowjetischen Kriegsgefangenen. Warum hörte ich also nur Geschichten mit ihnen als Opfern? Sie waren schließlich auf der Täterseite aller Wahrscheinlichkeit nach - so schwierig es auch mir das einzugestehen - selber Täter.

Auf zum nächsten Punkt der intellektuellen Familienselbsttäuschung also. Gewisse Deutungsmuster werden universal in Familien als gegeben vorausgesetzt und als solche in Geschichten über die Geschichte nicht thematisiert. Zu diesen gehören unter anderem die schlechten Russen, die ihnen entgegensetzten guten Amerikaner sowie die reichen Juden, welche auf einmal verschwunden waren ohne, daß man das groß mitbekommen hätte. Ich denke jeder Deutsche wird in diese Muster passende Erklärungen kennen, wobei diese Pauschalaussagen leider selten nur auch nur ansatzweise belegt werden können. Es ist normalerweise nicht die von einem russischen Soldaten vergewaltigte Frau, welche von den Gräueltaten des Russen erzählt, sondern vielmehr der ehemalige deutsche Soldat dessen Rolle in der Sowjetunion oder anderswo nur selten beleuchtet wird der widerstands- und kritiklos im Familienkreis diese Wahrheiten verkündigt.

Diese Buchkritik ist bereits jetzt viel zu lang und ich werde sie hier beenden. Ich kann diesen Text nur jedem geschichtsbewußten Deutschen empfehlen, wobei ich ihn davor warnen muß, daß er danach - vor allem - seine Großväter in einem anderen Licht wird sehen müssen. Zu viele der ihm (mir) bekannten persönlichen Geschichten meiner Opas gleichen sich bis aufs Haar der in diesem Buch dargelegten stereotypen Entschuldigungsmechansismen, Leidenserlebnissen und verarbeiteten filmischen Erzeugnissen. Und daß ohne - in beiden Fällen - die Leerstellen eben dieser Geschichten anzusprechen. Ich wünschte ich hätte noch ein mal die Möglichkeit dies zu tun.

Thursday, October 20, 2011

The Grapes of Wrath

Almost a throwback read back to my adolescent days, John Steinbeck was amongst those authors I read prematurely at 15 without necessarily understanding much beyond the actual story taking place at the surface. The Grapes of Wrath this time around was a pleasure to (re-)read then. 

Steinbeck intermingles character-based parts and atmosphere, stream-of-consciousness type ones. He tells the story of the Joad family making its way from Oklahoma to California, but he really showcases the Okies life on the road, their misery, suffering, treatment and intra-group solidarity or lack thereof. His writing is part of its time, the Great Depression, the Dust Bowl, to an extent which makes it almost surprising that the book still carries as much weight with readers today (well: me).

Pure pleasure reading, if almost tragically tainted by Steinbeck's (in hindsight) naive belief (or references to in any case) in some kind of a left-wing (union, socialist even?) organization of the economy, the workers leading to an amelioration of their life conditions.

Wednesday, October 19, 2011

Le Village de l'Allemand

Un écrivain politisé algérien qui écrit en français et dans son livre Le Village de l'Allemand ou Le journal des frères Schiller parle à la fois de l'histoire allemande, algérienne et l’intégration en France. Clairement il y en avait pour que je m'y intéressais. Ironiquement Boualem Sansal vient de ganger le Friedensbuchpreis en Allemagne est celui que j'ai considéré comme obscure était omniprésent pendant mon séjour à Berlin la semaine passée.

Sansal ici raconte l'histoire des deux frères Schiller dont le père était allemand mais pourtant faisait partie de la résistance contre la colonisation française. Ayant marié une jeune femme dans un bled algérien, ce père les fait envoyer en France dans leur adolescence. Le livre se base sur la recherche des ces deux frères sur leur père, leurs pays et comment gérer voire comprendre le passée.

Comme ma récente découverte Kateb Yacine, Sansal remplit bien mon image sans doute idéalisé de la littérature algérienne comme étant particulièrement intéressante et de qualité. L'auteur habite toujours en Algérie - autrement que beaucoup de ses co-intellectuels algériens - et paraît de jouer un rôle important comme écrivain critique vers le regime en place dans son pays autant que vers les Islamistes. Sur ce dernier point je le trouvais même trop extrême mais cela vient sans doute avec ayant vécu en Algérie pendant les années 90.

Voici un longue entretien avec lui.

Sunday, September 25, 2011

Adam Lux

Ein - weiteres - frappierendes Beispiel für mein furchtbar oberflächliches Geschichts- und Allgemeinwissen. Adam Lux von Stefan Zweig erzählt in zehn dramatischen Bildern die revolutionären Lebensjahre von Adam Lux. Dieser war als Abgesandter der freien Republik Mainz im revolutionären Paris um dort dem nationalen Konvent dort den Kern eines fränkisch-deutschen Bündnisses anzutragen. Die blutige Jakobinerherrschaft entgeistert ihn in seinem idealistisch-naiven Revolutionsglauben und nach Marats Ermordung provoziert er durch eine verherrlichende Darstellung der Mörderin Marats, Charlotte Corday, seinen Tod herbei.

Ein pazifistischer Revolutionär aus Kostheim, welcher mit seinem Opfertod die Ideale der Revolution gegen sich selber zu retten versuchte. Eine verrückte Geschichte und gerade in ihrer deutsch-französischen Natur mir bis dato vollkommen unbekannt.

Les Africains I - Les intellectuels carthaginois

Partie de mes - vaines sans doute - tentatives de me renseigner sur l'histoire (nord-)africaines, Les Africains I - Les intellectuels carthaginois de Paul Monceaux est une introduction dans la littérature latine du Maghreb - et surtout carthaginoise - de l'empire romaine. Les romains avait refondé Carthage après l'avoir complètement rasée et elle redevenait vite le centre intellectuel de l'Afrique du Nord, le Rome de l'Afrique.

Monceaux dans sons œuvre accentue la mélange qui marquait la présence romaine, les influences puniques, berbères sous une gouvernance plus ou moins accepté des romains et en latin. On restait Carthaginois, Maure ou Numide; mais de loin, l'on ressemblait à un Romain. Monceaux, lui-même pied noir vivant dans l'Algérie française vers la fin du 19ème siècle, voit un intéressant parallélisme similaire avec la colonisation (occupation?) française ici: pour les besoins de la vie, il se forma, comme dans l'Afrique française, une langue hybride, où le latin dominait, mais latin tout infiltré de punique et de libyque.

L'auteur décrit la vie intellectuelle au Maghreb romain autant que les intellectuels et écrivains eux-mêmes. Similaire que Hourani son œuvre est malheureusement si dense et rempli de politiciens et autres figures que je connaissais à peine que son livre est une introduction intéressante qui reste insatisfaisante dans le sens qu'elle ne fait clair comment peu on y sait.

Monday, September 19, 2011

Christ Recrucified

Following my trip to Greece I am still reading up on the acquisitions I made in Greece. Nikos Kazantzakis' Christ Recrucified (or The Greek Passion it seems) provides a wonderful insight into Greek history and culture I found. It addresses at once Greek nationalism shaped against the backdrop of Ottoman colonialism and the role of the church in going against Christ's teachings and perpetuating the social caste system of the day.

The novel starts out with a number of villagers being named by the local notables to play Jesus, John, Peter, James, Maria Magdalena and Judas Iscariot in a reenactment of the crucification and following rise of Jesus Christ. The six chosen ones soon start taking their roles as laid out in the scripture a bit too seriously as far as the local aristocracy is concerned. Things deteriorate from there.

An interesting and gripping book with one downside to it. Much of the interior dialogue, characters' debate amongst each other as well as within each individual one is concentrated on issues of faith, I am undoubtedly far too cynic and atheist (or maybe: agnostic?) to be much drawn to these kind of topics. Kazantzakis reminded me of James Joyce's A Portrait of the Artist as a Young Man in that sense, another novel of quality despite of its insistence on religion as the topic of choice.

Monday, September 12, 2011

Le cercle des représailles

Avec une certaine incompréhension arrogante et vaine des différences culturelles je me suis acheté quelques livres des auteurs arabes, non tunisiens, pour m'accompagner dans ma vie ici à Tunis. Kateb Yacine alors, auteur d'un des livres le plus fort que je n'ai jamais lu en français Nedjma. Est-il algérien, berbère, français? Ni l'un, ni l'autre sans doute, surtout si cela est une question d'exclusivité, définitivement pas français peut-être. Il écrivait dans les trois langues en tout cas.

Le cercle des représailles consiste de trois pièces et un longue poème à la fin. Yacine reprend ici, ou plutôt - si je comprends bien - commence à développer ici, les mêmes personnages que dans son romain déjà cité. Je ne lis que très rarement du théâtre et trouvais parfois difficile de rentrer dedans dans les peu d'auteurs de pièce que j'ai lu - Schiller, Shakespeare, Sartre. Au même temps ces trois j'ai fini par clairement apprécier. Avec ce Cercle des représailles et ses deux drames interrompu par une comédie ironique c'était similaire. Yacine est difficile à suivre, à comprendre parfois. Il explique peu et s’appuie sur une grand nombre de personnage pertinent. Mais finalement le lecteur endurant y arrive.

Je suis devenu, de nouveau on pourrait presque dire, un grand militant de Kateb Yacine. Je trouve qu'il a une force d'écriture et aussi un sujet (la colonisation et la lutte contre) que très peu d'écrivains équivalent, Faulkner et Sarte sont des noms que j'évoquerais ici.

La francophonie est une machine politique néocoloniale, qui ne fait que perpétuer notre aliénation, mais l'usage de la langue française ne signifie pas qu'on soit l'agent d'une puissance étrangère, et j'écris en français pour dire aux français que je ne suis pas français.
 Et d'un lecteur:
C'est trop compliqué, ça. En Algérie vous avez de si jolis moutons, pourquoi vous ne parlez pas de moutons ?
Source: Wikipedia

Saturday, September 10, 2011

Deutschboden

Nach positiver Kritik in der Zeit (glaube ich mich zu entsinnen) und einem Vorabdruck im Zeit Magazin, war ich von Moritz von Uslars Deutschboden sehr positiv angetan ohne auch nur eine Seite darin geblättert zu haben. Diese Wahrnehmung bestätigte sich leider nicht.

Uslar (oder sein Erzähler Realität und Fiktion sind so gut wie nicht zu trennen in diesem journalistischen Roman) sieht sich als eine Art Entdecker, der sich in die wilde weite - oder: kleinstädtische - Welt des Berliner Umlandes aufmacht und hier in einer Art soziologischen Anschauungsstudie drei Monate verbringt. Er überlebte und schrieb ein Buch darüber. 

Die Arroganz des gebildeten Großstädters der die Ossis, Nazis und HartIVer entdecken und erklären will, ist wohl mein erster Kritikpunkt. Erstens ist sein dreimonatiger Aufenthalt in 'Oberhavel' hierfür fast lächerlich kurz, zweitens ist sein so humanistischer, verständnisvoller Zugang zu diesen Menschen in der Hinsicht lachhaft, als daß er sie - bevor er sie humanisieren kann - ja erst enthumanisiert und dies abgesehen von einigen engeren Bekannten auch bis zum Ende des Buches tut. Der große Soziologe Uslar erinnert mich hier ein wenig an Jack London oder Rudyard Kipling, voll Verständnis für die Wilden und Einheimischen des jeweiligen Landstriches, welchen sie beschreiben, aber so romantisch und heldenhaft sie diese auch darstellen, es bleiben Wilde.

Zweiter großer Kritikpunkt, Uslar schreibt in einem aufgezwungenen pop-literarischen Stil, der an keiner Stelle in seinem Werk überzeugend oder gar authentisch rüberkommt. Seine Aneinanderreihung von Substantiven zwecks Erklärung, Betonung und wohl ironischer Auseinandersetzung sind nervig und selten zweckbringend.

Eine Enttäuschung.

Monday, September 05, 2011

A History of the Arab Peoples

Living in the Arab world yet - still - feeling rather ignorant of the place that I live in A History of the Arab Peoples by Albert Hourani was supposed to fill some of the more glaring holes. And it did while opening a thousand others

The intellectual, political and economic history of the peoples living between Spain (or Morocco) to the West, Iraq/Iran to the East, Turkey to the North and Sudan to the South is a daring endeavor for the most hardened and prepared writer, it is maybe even more so for the reader. Literally hundreds of topics and names are being touched upon without receiving their due treatment, at times I felt more like reading a list of philosophers, writers, religious schools of law (مذهب‎) and dynasties than an actual historical account. 

In all honesty, while I drew a lot out of this book and feel I have developed a basic understanding and broad overview of Arabic history and thought, Hourani failed at writing the history he proclaimed in his title. He didn't fail due to his lack of knowledge nor even his capacity to bring across what he knew, but simply due to the sheer size of the task he set himself. Five hundred odd pages of dense history-writing might make for a long period of reading but it cannot provide more than a glance at a subject matter of this size and depth. I can recommend A History of the Arab Peoples as an appetizer that in a way leaves one hungrier than before as one has gained an understanding of one's true lack of knowledge.

Tuesday, August 23, 2011

The Third Wedding Wreath

I thoroughly enjoy reading novels about the places that I visit, that I live in, I find it an extremely rewarding way of learning about the local/regional culture, political setting and history. That's why I bought Costas Taktsis' The Third Wedding Wreath during my recent sojourn in Greece. Taktsis tells the story of a woman's life, her three husbands, life during occupation and the civil war, her move from Thessaloníki to Athens, her children and family in the broadest sense. The Third Wedding Wreath really is the Buddenbrooks without the nostalgic glorious past, told from a female point of view and much, much more reflective of Greek culture and history.
I'd learned never to be a snob until I got to know a person's worth; and how can you get to know a person well if you don't have coffee together?