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Sunday, December 18, 2011

Groschenroman

Martin Keunes Groschenroman gibt das das Leben von Axel Rudolph einem Lebenskünstler, Frauenheld und Pop-Literaturautor des Anfang des 20. Jahrhunderts wieder. Rudolph wurde unter den Nazis aufgrund seines mangelnden Anpassungsvermögen, seiner post-nationalen Identitätsmerkmalen sowie wohl einfach eines ungesunden Alkoholkonsums mit all seinen Folgen ermordet. Er war kein Widerstandskämpfer, starb aber als solcher und vor allem als ein einfacher Mann, welcher sich nicht verbiegen konnte oder wollte.

Rudolphs Lebensgeschichte ist faszinierend. Seine Zeit in Russland während des Ersten Weltkrieges, als Gefangener, eine Periode in einem Lager in Dänemark, welche ihm das Land nahe brachte und zwei Kinder sowie eine Frau bescherte. Seine Arbeitslosigkeit, seine Armut, ja seine Obdachlosigkeit in der Weimarer Zeit gefolgt von seinem Aufstieg zum erfolgreichen Abenteuerliteraturautor. Insgesamt stellt Rudolph noch verstärkt durch sein tragisches Ende ein bewegendes und interessantes Stück Geschichte dar.

Leider schafft Keune es nur begrenzt aus dem Material einen guten Text zu formen. Er will einerseits den Fakten treu bleiben, aber andererseits einen Roman schreiben. Notgedrungen schafft er beides nicht. Die Biographie wird durch eher schwache Dialoge und zu offensichtlichen pop-psychologischen Erklärungsversuchen geschwächt. Der Roman leidet unter den zusammenfassenden, biographischen Erklärungen. Schade, dass aus diesem Potential so wenig gemacht wurde, gerade weil vor allem die biographischen Teile des Buches wirklich aufschlussreich sind und eigentlich nur die literarische minderwertigen Dialoge und andere poetischen Ausschweifungen die Lektüre ein wenig verderben.

1 comment:

Anonymous said...

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