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Thursday, January 02, 2014

Der Golem

Ein tschechischer Bekannter hatte mir Gustav Meyrinks Roman Der Golem empfohlen und da ich zwar mit der Sage vertraut war, aber nie von diesem deutschsprachigen Prager Autor (wie Kafka, wie Egon Erwin Kisch) gehört hatte, kaufte ich mir das Buch vor meiner Stippvisite in Prag. Ein toller Fund! Der Golem ist ein fantastisches Werk, wie ich es eigentlich seit meiner Jugend kaum noch lese, aber es ist vor allem ein fast Furcht einflößendes Beispiel von gothic literature wie ich es sonst vielleicht von Edgar Allan Poe kenne (oder dem Phantom der Oper). 

Meyrink erzählt nicht die Legende des Golems neu, wie ich es ursprünglich gedacht hatte, sondern gibt die niederdrückende Stimmung im jüdischen Ghetto Prags anbei seiner grausamen, naiven, verliebten und hassenden Protagonisten wieder. Der Golem taucht natürlich auf, wie er dies jede Generation ein mal tut, aber vor allem sind es die Bewohner (und Besucher) des Ghettos, die eine Rolle spielen. Ein fesselnder Roman, der trotz (oder wegen?) seiner phantastischen Elemente die Lektüre lohnt für seine Einblicke in das (jüdische) Prag aber auch einfach wegen seiner literarischen Qualität.

Thursday, December 16, 2010

Andernorts

Ein merkwürdiger Zufall, wie ihn das Leben so oft spielt. Ich kaufte mir nach einer Rüge eines Freundes, daß ich nicht genug moderne Literatur lesen würde, einen ganzen Packen (3-4) Bücher von jüngeren (bzw noch lebenden was ja für mich schon ein Fortschritt ist) Autoren, welche positiv in den Medien bedacht worden waren und mich ansprachen. Doron Rabinovici Andernorts also, ein österreichischer Jude aus Wien. Rabinovici ist neben seiner Autorentätigkeit Historiker und verfasste seine Doktorarbeit über die erzwungene Zusammenarbeit Wiener Juden mit der Gestapo in der Fahndung im Untergrund lebender anderer Juden, ein Thema (siehe den oben erwähnten Zufall) mit welchem ich insofern einigermaßen bekannt bin als daß die Nazis die gleiche Taktik später in Berlin anwandten und ich hierzu bereits eine Doktorarbeit las.

Lange Rede, kurzer Sinn. Ein Autor mit einem interessanten kulturellen Hintergrund also, akademischem Interesse obendrein. Andernorts entspricht nun ironischerweise wenig dem hier jetzt aufgebauten Drohbild, sondern ist eher als angenehmer Unterhaltungsroman zu bezeichnen. Auch wenn der Hauptdarsteller das literarische Zerrbild des Autors ist und dieser sich sicherlich hier mit seinem österreichisch-jüdischen Erbe bzw Leben auseinandersetzt, so tut er dies doch in einer sehr aufgeschlossen und lockeren Weise. Vielleicht ist sein Roman pädagogisch zu verstehen und soll Leser ansprechen, welche vor ähnlichen Thematiken bzw Autoren sonst eher zurückschrecken. Ich weiß es nicht. Ein lohnenswerter, schnell gelesener Roman in jedem Fall.