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Thursday, January 02, 2014

Der Golem

Ein tschechischer Bekannter hatte mir Gustav Meyrinks Roman Der Golem empfohlen und da ich zwar mit der Sage vertraut war, aber nie von diesem deutschsprachigen Prager Autor (wie Kafka, wie Egon Erwin Kisch) gehört hatte, kaufte ich mir das Buch vor meiner Stippvisite in Prag. Ein toller Fund! Der Golem ist ein fantastisches Werk, wie ich es eigentlich seit meiner Jugend kaum noch lese, aber es ist vor allem ein fast Furcht einflößendes Beispiel von gothic literature wie ich es sonst vielleicht von Edgar Allan Poe kenne (oder dem Phantom der Oper). 

Meyrink erzählt nicht die Legende des Golems neu, wie ich es ursprünglich gedacht hatte, sondern gibt die niederdrückende Stimmung im jüdischen Ghetto Prags anbei seiner grausamen, naiven, verliebten und hassenden Protagonisten wieder. Der Golem taucht natürlich auf, wie er dies jede Generation ein mal tut, aber vor allem sind es die Bewohner (und Besucher) des Ghettos, die eine Rolle spielen. Ein fesselnder Roman, der trotz (oder wegen?) seiner phantastischen Elemente die Lektüre lohnt für seine Einblicke in das (jüdische) Prag aber auch einfach wegen seiner literarischen Qualität.

Wednesday, April 21, 2010

Geschichten aus Sieben Ghettos

Ein weiterer Exilautor, der rasende Reporter Egon Erwin Kisch war mir das erste Mal als linientreuer Parteigenosse gegen den sich emanzipierenden Glaser agitierend bewußt unter die Augen gekommen. Zufälligerweise hatte ich mir kurz vorher eines seiner Bücher gekauft, sonst hätte ich seine Geschichten aus Sieben Ghettos aus reiner Abneigung wohl gar nicht gelesen.

Warum gab es eigentlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert so viele faszinierende intellektuelle Weltreisende? Kisch gehört auch in diese illustre (Neruda, Hemingway, Malraux, Céline...) Gruppe, auch wenn seine Prinzipientreue (oder blinde Kommunismusgläubigkeit) ihn wohl in seinen Reportagen über die Sowjetunion beeinflußten, sowie zersetzende Autoren wie Glaser kritisieren und als deutschsprachiger (und -schreibender) Tscheche die Beneš-Dekrete befürworten ließ. Wer will es ihm verdenken. Unzählig sind diejenigen, welche in dieser Zeit dem Charme der Sowjetunion erlagen und ohne die Umstände dieser Jahre wirklich zu kennen kann ich dieses tragische Fehlurteil nicht bewerten.

Kischs Biographie im Schnelldurchgang also. Aufgewachsen im k.u.k. Prag, Journalist, gilt angeblich als einer Erfinder der literarischen Reportage, Reisender (Australien, China, USA, Europa...), jüdischer Herkunft, spielte eine aktive Rolle im österreichischen Gegenstück zur deutschen Novemberrevolution, in Berlin arbeitend bis von den Nazis 1934 ausgewiesen, amerikanisches und mexikanisches Exil, schließlich sein Tod 1947 in Prag. Dies nur als Hintergrund.

Geschichten aus Sieben Ghettos ist eine Sammlung spannender, faszinierender Kurzgeschichten und Reportagen über jüdisches Leben in Europa im Laufe der Jahrhunderten. Akkurat erscheinede historische Extrakte etwa über die Brüder Fey, welche versuchten während der französischen Revolution Geschäfte zu machen und mit Danton und Chabot unter der Guillotine endeten kontrastieren mit zeitgemäßen Beobachten über (seinerzeit) modernes jüdisches Leben in Paris und Amsterdam. Hinzu kommen Wiedererzählungen jüdischer Moralgeschichten, welche auf diesen sehr typischen osteuropäisch-jüdischen Humor (frei nach Shlomo Sand würde ich behaupten, daß dieser nicht allgemein jüdisch sei) aufbauen, welchen ich einfach toll finde. Schlichtweg ein wirklich empfehlenswertes Büchlein.

Monday, September 03, 2007

Das Urteil

Kafka. Ehrlich gesagt (oder vielleicht eher peinlicherweise) hatte ich bisher noch nicht so viel von Kafka gelesen. Vor 10 Jahren mal Die Verwandlung an meiner damaligen High School in den USA und deswegen perfiderweise in Englisch. Jetzt also nochmal. Das Urteil besteht aus verschiedenen Kurzgeschichten, unter anderem Die Verwandlung, In der Strafkolonie und Ein Hungerkünstler.

Ich finde es im Allgemeinen schwierig Kurzgeschichten zu besprechen, aber Kafkas Geschichten sind irgendwie noch ungreifbarer. Die Geschichten sind sprachlich eindrucksvoll, man ist ihrer Wucht ausgesetzt, kann das Leid der Protagonisten fühlen. Aber gleichzeitig, lassen einen die Geschichten irgendwie sprachlos zurück. Jede Analogie zur Realität, zu meinem Leben, zum Leben von Anderen, scheint unmöglich oder sehr schwierig. Vielleicht reicht mein Intellekt nicht aus um die Parallelen zu sehen, vielleicht müßte ich alles doppelt oder sehr viel langsamer lesen, vielleicht ist es genau das was Kafka nicht will (einen offenkundigen Bezug zur Realität).

Es gefiel mir die Geschichten zu lesen (auch wenn ich seit der Verwandlung eine leichte Kakerlakenphobie entwickelt habe (die sieht man aber halt auch hier im Süden desöfteren)), aber ich fand es schwierig einen Zugang zu ihnen zu finden, der über das Lesen als solches hinausging. Ich habe nicht groß über sie nachdenken müssen, nachdem ich sie gelesen hatte.

Eine schwache Rezension, ich weiß, würde Kafka trotzdem auf jeden Fall empfehlen, einfach weil man ihn als Deutscher (oder deutschsprechender Mensch) mal gelesen haben sollte.