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Wednesday, November 05, 2014

Othering - Afrika in Berlin

Amur bin Nasur kam 1867 auf Sansibar zur Welt. In seiner Autobiographie schildert er teils befremdet, teils amüsiert die seltsamen Sitten und Gebräuche der Berliner:
„Als ich zuerst Berlin sah, fragte ich, wie viele Menschen in dieser Stadt wären, und man sagte mir, anderthalb Millionen sind in dieser Stadt. Und ich sah mehrstöckige Häuser in dieser Stadt. Jedes Haus hatte drei Stockwerke und vier Stockwerke und jedes Stockwerk ist voll von Menschen. Und ich fragte alle Tage, als ich da war: Wo sind eigentlich die Besitzer dieser Häuser? Ich weiß nichts von ihnen. Und danach kam mein Freund und Lehrer mit Namen Hans und nahm mich mit zu sich und nahm mich freundlich auf. Und er zeigte mir ein wenig die Straßen der Stadt und zeigte mir die Berliner Sachen und lehrte mich schreiben und lesen, bis ich es konnte. Danach begannen wir unseren Unterricht, und ich bekam Schüler zu unterrichten. Und es war mein Geschäft, ihnen das Suaheli und das Schreiben zu lehren, und sie lernten.“
...
„Und an einem Tage kam mein Freund Velten und sagte: Bitte, Amur, heute wollen wir in ein Bierhaus gehen, und ich sagte: O ja, aber wo ist es? Und er sagte: es ist nahe, es ist nicht weit. Und wir standen auf und gingen in das Bierhaus, und ich sah viele kleine Spiegel an der ganzen Wand und sah auch Lichter jeder Art. [...] Und darnach sahen wir Leute mit Geigen und Trompeten und Trommeln, und ich sagte, wo gehen diese Leute hin? Und er sagte zu mir: Die Leute werden mit diesen Trommeln und Trompeten für uns spielen, die wir hier Bier trinken. [...] Und danach standen wir auf und gingen in ein anderes Haus, und fanden es noch großartiger, wie jenes. Und danach gingen wir von einem Haus ins andere bis wir in sieben gewesen waren, und eines war immer großartiger, als das andere. [...] Und danach standen wir auf und gingen nach Hause.“

Sunday, October 12, 2014

Sur les intellectuels turco-allemands

Zülfü Livaneli cité par Benny Ziffer dans "Entre nous, les Levantins - Carnets de voyage." Un peu méchant mais pas sans fond dans son jugement (sévère).

"La Turquie est le grand secret de l'Europe. Et les clichés la dénigrant sont légion. L'un des facteurs de cette image négative, ce sont les immigrés turcs qui l’ont véhiculée. Car qui étaient ces immigrés? Des paysans à moitié nomades, qui ont toujours vécu dans un cadre tribal, et qui se sont retrouvés soudain à Düsseldorf. Parmi ces millions de pauvres types, vous ne trouverez pas un seul intellectuel."

Et moi d'objecter: "Cependant, il existe désormais une nouvelle culture de Turcs germanophones, ils ont des metteurs en scène, de jeunes écrivains reconnus en Allemagne et dans le monde....

-- Ceux-là appartiennent déjà à la troisième génération de l'immigration. Le turc qu'ils parent est pauvre, ou déjà inexistant. Et il ne leur reste plus qu'une seule corde sur laquelle jouer: l'identité et l'intégration. Malgré tout le respect qui leur est dû, les problèmes d'identité ne sont pas suffisants pour fonder une œuvre.Les films des Turcs allemands, les livres des Turcs allemands se résument à une seule chose: raconter aux Allemands leur tentative individuelle de s’intégrer à la société allemande comme enfants de l'immigration turque.

Tuesday, October 22, 2013

Mein '68

Peter Schneider ist ein Autor, den ich bisher nur vom Namen her kannte und der in den 60/70er Jahren als einer der Studentenführer einen gewissen Bekanntheitsgrad gewinnen konnte. Er stieg aus bevor die Studentenbewegung (oder ein Teil davon) sich in Richtung Terrorismus entwickelte und versagte sich vor allem auch den maoistischen Bestrebungen in der streng disziplinierten KPD/AO, denen andere seiner ehemaligen Mitstreiter sich hingaben.

Mein '68 - Rebellion und Wahn ist seine persönliche Aufarbeitung dieser Zeit. Schneider hatte damals Tagebuch geführt und in seinem literarischen Aufarbeitung zitiert er sich selber, konfrontiert sich aber auch und versteht sich vor allem zum Teil nicht mehr selber. Bzw. erinnert sich als heutiger Peter Schneider anders als er es damals festhielt.

Der wahrscheinlich wichtigste Kritikpunkt am Buch wäre die zu starke Fokussierung auf seine Liebesgeschichte mit einer in den Terrorismus (Bewegung 2. Juni) abdriftende "L.", die für ihn zwar aus verständlicher Sicht wichtig war und ist, die aber scheinbar wenig mit 68 als solchem zu tun hatte. Trotzdem fand ich das Buch faszinierend in seiner persönlichen Aufarbeitung und Reflektierung der Ereignisse die West-Berlin (und Deutschland) in ihren Bann schlugen (und dann in die RAF und andere überschlugen). Gerade in Bezug auf einige Details und Anekdoten aus der linken Studentenbewegung der Zeit war mir vieles in diesem Buch auch neu und in den eher historisierenden Werken, die ich sonst gelesen hatte nicht in diesem Maße präsent.

Sunday, September 29, 2013

Der Erfolgreiche Abstieg Europas

Eberhard Sandschneider ist Professor an der FU Berlin in Internationale Beziehungen, er leitet desweiteren die Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Eine gestandene Persönlichkeit in der - ja angeblich kleinen - deutschen internationalen Beziehungsgemeinde. Sein Buch Der Erfolgreiche Abstieg Europas war nichtsdestotrotz eine Enttäuschung. Ich vermute - oder befürchte, - daß Sandschneider Publikumserfolge wie Fareed Zakarias Post-American World kopieren will und dementsprechend schreibt er auch. Sein Buch ist voll von Allgemeinplätzen, Plattitüden, Wiederholungen und einer elendigen Aneinanderreihung von Sprichworten. Wie er es selber so schön ausdrückt:
"Der Wettbewerb um Begriffe dreht sich sicher auch um Einfluss, Eitelkeit und Geld. Wer es schafft, provozierend zu formulieren, kann sicher sein, von der Presse zitiert und auf Konferenzen und in Talkshows eingeladen zu werden. Zugegeben: Nichts anderes tue auch ich in diesem Buch. Ich versuche pointiert, manchmal vielleicht sogar überspitzt zu formulieren, um Dinge, die mir wichtig sind, deutlich zu machen."
Problem erkannt und voll in die Falle reinmarschiert. Er hat wahrscheinlich Recht in dem was er sagt - "die Welt des 21. Jahrhundert besteht eben nicht aus Nullsummenspielen" - oder zumindest teile ich seine Meinung, aber gelernt habe ich von diesem Buch wenig. Die deutsche Führungsrolle, die er gegen Ende einfordert ist inzwischen auch ein Gemeinplatz und bleibt dennoch eine fast schon erstaunlich unrealistische Option für ein Land in welchem weder Syrien noch Europa im gerade vergangenen Wahlkampf eine große Rolle gespielt haben - geschweige denn das Debakel der vorherigen Regierung in Bezug auf Libyen.

Tuesday, September 10, 2013

Ein ganz gewöhnlicher Jude

Das wahrscheinlich erste Buch eines Schweizers, das ich je gelesen habe, behandelt ein urdeutsches Thema auf originelle Weise. Charles Lewinsky schreibt aus dem Blickwinkel eines deutschen Juden, der von einem gutmenschelnden Lehrer in seine Schule eingeladen wird, um dort im Sozialkundeunterricht als Repräsentant des Judentums aufzutreten. Was folgt ist ein ausführlicher Monolog eines Juden, der nicht anders als ein anderer Deutscher sein will oder zumindest nicht anders wahrgenommen werden will, es aber in seinem eigenen Leben nicht schafft dies selbst auszuleben.

Eine leicht lesbarer und kurzer Text über "einen ganz gewöhnlichen Juden, der mit seinem Projekt, ein ganz gewöhnlicher Deutscher zu werden, kläglich gescheitert ist." Oder ein Einzelschicksal zwischen der Shoah, Nationalidentität, Religion, kulturellen Vorurteilen und Präferenzen und den Scherben seines Privatlebens.

Wednesday, September 04, 2013

Carnets de guerre

J'avais beaucoup entendu parler de Vassili Grossman sans avoir jamais lu quelque chose de lui. Il parait si peu connu en Allemagne au fait que son plus grand œuvre Vie et Destin n'est disponible que dans des versions relativement. Je crains que comme citoyen soviétique qui décrivait l’héroïsme de l'Armée rouge autant que les crimes des Allemands mais aussi la folie du stalinisme il tombait dans un sort de trou de non-attention entre les deux Allemagnes. 

De toute manière c'est le prix la raison pour laquelle je me suis acheté son Carnets de Guerre - De Mouscou à Berlin 1941-1945 en français. Ce qui a été u peu bête en rétrospective en considération de la partie importante du livre qui a été écrit par l'historien britannique Antony Beevor.

Grossman était un des correspondants du journal officiel de l'Armée rouge et en tant que journaliste suivait l'armée partout. Dans sa retraite chaotique en 1941 autant que dans ses avancés timides après et finalement la course vers Allemagne et Berlin en 1944-1945. Il fut parmi les premier a Treblinka et a écrit un récit ci-dessus qu'on n'oublie plus facilement. Mais Grossman bien que communiste et patriote soviétique (il est né en Ukraine) n'est pas aveugle comme la plupart de ses contemporains, il voit aussi le pillage et surtout les viols commises par l'Armée rouge une fois qu'elle était en Allemagne elle-même.

Ce Carnets est une sélection qui a été faite par Beevor qui les liés avec des commentaires extensives afin de les introduire voire les mettre dans leurs contextes. Et la combinaison de ces deux est impressionnante. Grossman le grand écrivain et humaniste dont il faut vraiment que je lise plus et Beevor l'historien militaire de la deuxième guerre mondiale par excellence qui nous aident à comprendre l'autre.

Friday, August 30, 2013

Königliche Hoheit

Ich habe von Thomas Mann immer noch nicht seine großen Klassiker Der Zauberberg und Doktor Faustus gelesen, eine Bildungslücke, die ich irgendwann bald angehen muß, aber durch Zufall stieß ich letztens auf ein kleines Büchleins Manns Königliche Hoheit, was jemand - ich weiß leider nicht mehr wer - auf Twitter empfohlen hatte. Da ich gebrauchte Bücher bekanntlich en masse kaufe, griff ich auch hier in einem meiner Lieblingsgebrauchtebücherläden Berlins (in der Bergmannstraße und mit einem unglaublich unhöflichen Verkäufer versehen, vive die Servicewüste Berlin!).

Königliche Hoheit ist ein wirklich merkwürdiges Buch, ich kann nicht behaupten, daß es mir sehr gut gefallen hätte, auch wenn es wirklich nicht schlecht war und sich gut und schnell lesen ließ. Wikipedia redet viel von den autobiographischen Zügen des Romans, die mir aus Unkenntnis nicht aufgefallen waren. Ich nahm viel mehr eine bizarre Liebesgeschichte - ein Märchen wirklich - zwischen dem Repräsentanzprinzen eines verarmten deutschen Kleinstaates und Tochter eines amerikanischen Multimillionärs, welche gemeinsam - und mit dem Geld des Vaters - die hohe Staatsverschuldung angehen. 

Abgesehen von gerade heute immer passenden (Eurokrise!) Witzen über die anscheinend kulturelle deutsche Obsession mit Schulden, läßt der Roman den Leser - mich - mit vielen Fragen zurück. Will Mann das verkrustete wilheminische Deutschland mit einer Kreuzung mit dem amerikanischen Kapitalismus - deutscher Abstammung - sanieren? Wahrscheinlich doch oder? Was soll uns die Verkrüppelung des prinzlichen Haupcharakters sagen? Was die Schwächlichkeit seines älteren Bruders, die Verrücktheit der Mutter? Ist das alles ein Ausdruck der inzestösen kaputten Gesellschaft am Anfang des 20. Jahrhundert, die genau zehn Jahre später spektakulär in der Novemberrevolution untergeht. In dem Fall wäre Mann ja visionärer als ich es ihm zugetraut hätte.

Saturday, August 10, 2013

Auferstanden Über Alles

Ich war beim Zeitungslesen zufällig auf Hans Magnus weniger bekannten Bruder Ulrich Enzensberger gestoßen. Dieser war in terroristische linke Gruppen in den 60er-70er Jahren verwickelt und lebt und arbeitet seit Jahren als Autor und Journalist in (West-)Berlin. Sein Buch Auferstanden Über Alles, welches ich mir daraufhin kaufte, sammelt einige seiner Reportagen aus den 80er Jahren. Diese sind unterschiedlich interessant und vor allem (aus heutiger Perspektive) unterschiedlich interessant. Am Besten war wohl seine Aufarbeitung des Deutschlandliedes und warum Theodor Heuß, dieses von den Nazis viel gesungene Lied wieder als Nationalhymne. Direkt danach sein (für mich) interessanter Artikel über die allierten Sonderrechte im besetzten West-Berlin. Eine schnelle, kurze Lektüre, als Zeitportrait interessant ohne unbedingt (und für alle) empfehlenswert zu sein.

Monday, July 22, 2013

Böse Schafe

Eine schweizer Freundin hatte mir Böse Schafe empfohlen, ich lese ja kaum neuere Literatur sonst. Gerade jetzt, nach einem Jahr dominiert von viel Lektüre im wissenschaftlichen und vor allem wirtschaftlichen Bereich, wo ich kaum in den Genuss reiner - was auch immer das genau heißen soll - Fiktion kam, gefiel mir Katja Lange-Müllers Buch ungemein. Die (Ost-)Berlinerin erzählt hier die Geschichte einer aus dem Osten gekommenden West-Berlinerin, die sich in einen, sagen wir charakterlich schwierigen, Mann verliebt. Eine schöne Geschichte über die rauen Unschönheiten des Lebens, welche sich leicht am Stück liest.

Saturday, July 13, 2013

Die Inflationslüge

Mark Schieritz ist als Wirtschafskorrespondent bei der Zeit tätig und schreibt unter anderem am Blog Herdentrieb mit. Er ist einer der wenigen (relativ) prominenten öffentlichen Stimmen in Deutschland, der sich gegen die anti-Keynesianistische Mehrheitsmeinung richtet. Sein - kurzes - Buch, Die Inflationslüge - Wie uns die Angst ums Geld ruiniert und wer daran verdient, ist denn auch ein Pladöyer gegen die vollkommen überzogene Inflationsangst von den Springermedien und der FAZ (und einigen anderen) kontinuierlich hervorgeholt. Für mich, der ich mich an der Eurokrise schon viel abgearbeitet hatte, war leider relativ wenig neues in seinem Büchlein enthalten, aber es bleibt eine gute Übersicht über das Thema und die missgeleitete deutsche Politik in Bezug auf den Euro.

Tuesday, April 16, 2013

Kein schönes Land in dieser Zeit

Mehmet Gürcan Daimagülar ist eine Art deutsch-türkischer Modell Hans in allen Gassen. Arbeitete als einer, wenn nicht der erste, Deutsch-Türke im Bundestag, war im Bundesvorstand der FDP, war als Berater bei Boston Consulting tätig, studierte in Harvard und an Yale und arbeitet heute als Partner einer Kanzlei in Berlin. Er vertritt im Rahmen dieser Tätigkeit (oder freiberuflich, ich weiß es nicht) mindestens drei der Opfer der NSU. Außerdem hat er ein Buch geschrieben: Kein schönes Land in dieser Zeit - Das Märchen von der gescheiterten Integration.

Der Autor betreibt in diesem Buch eine Art Amalgam zwischen seiner Kindheit und Jugend im Rheinland, seiner darauffolgenden Karriere und den gesellschaftlichen Problemen mit der Integration der Deutsch-Türken. Die Einwanderung seiner Eltern findet Erwähnung und auch seine persönlichen Erfolge bzw Rückschläge werden wiedergegeben.

Das Buch hat eine seltsam zweigeteilte Nachricht, die der Autor rüberzubringen versuchen zu scheint. Erstens (fangen wir mit der negativen an) positioniert er sich gerne als Erfolgsbeispiel, als einer der besser Deutsche spricht als viele Deutsche, der auf einen breiten Fundus von deutscher (zT westlicher) Hochkultur zurückgreifen kann. Das stimmt zwar einerseits einfach, andererseits ist es aber ein wenig zu sehr gesucht, zu selbstdarstellerisch und noch karikariert durch eine kaum überzeugende Bescheidenheit (à la: Was habe ich denn? Wer bin ich denn?).

Dies ist nur um so mehr unnötig als daß Daimagülars Parcours ja für sich selbst spricht. Wem sollte er denn noch etwas beweisen wollen? Ich hoffe doch, daß wenigstens ein Mann in seiner Position auch als Deutsch-Türke, dies nicht mehr nötig hat.

Viel wichtiger jedoch ist die zweite Nachricht, die der Autor rüberbringen will: Das Märchen von der gescheiterten Integration. Sein Buch ist in vielerlei Hinsicht als Antwort auf Sarrazin zu verstehen. Er beschreibt ja nicht nur sich selbst als Beispiel erfolgreicher Integration und vor allem auf beruflichen Aufstiegs, sondern versucht auch etwas Realität in die deutsche Debatte zu diesem Integrationsthema einzubringen. Eine Realität, welche Integrationsprobleme beinhaltet, aber eben vor allem auch einen Staat und seine Mehrheitsgesellschaft darstellt, welche bis vor sehr kurzer Zeit ihren Status als Einwanderungsland einfach nicht wahrnehmen wollte. Eine Realität, welche existierende Integration ins Extreme verzerrt ohne sich des im Vergleich zu vielen anderen Ländern ruhig ablaufenden Integrationsprozesses bewußt zu werden.

Gelingt ihm das? Bei mir rennt er mit seinen Argumenten zu Kopftüchern, Religion im Allgemeinen und der Notwendigkeit der deutschen Mehrheitsgesellschaft auch integrieren zu wollen und nicht nur zu verlangen natürlich offene Türen ein. Und ich befürchte, daß abgesehen von einem sehr amüsanten provozierenden Eingangstext, der Rest des Buches zwar absolut zutreffend ist in seiner differenzierten Einschätzung des Integrationsprozesses in Deutschland, aber eben auch nur von jenen gelesen wird, die sowieso schon damit einverstanden sind.

Für mich war es nichtsdestotrotz interessant diese Integrationsgeschichte aus Sichtweise eines Deutsch-Türken erzählt zu bekommen. Auch wenn mir vieles nicht neu war, so ist der Blickwinkel doch ein anderer. Und auch wenn Daimagülar kein herausragender Autor im Sinne seines literarischen Stiles ist, so liest sich sein Buch doch leicht und fesselt den Leser, ob seiner Sichtweise eines beruflich erfolgreichen Deutsch-Türken, welche im Rahmen der deutschen Mehrheitsgesellschaftsmedien immer noch viel zu kurz kommt.

Sunday, January 27, 2013

Der brave Soldat Finck

Werner Fincks Der brave Soldat Finck erzählt die Geschichte des Lebens des Autors als politischer Komödiant unter den Nazis. Finck ist kein großer Schriftsteller und seine - wohl inhärent zum Komödianten passenden - konstanten Versuche Witze zu reißen, fallen leider ab und an flach. Nichtsdestotrotz erzählt er eine spannende und ereignisreiche Geschichte von einem Star des politischen Kabaretts, der sich durch seine Haltung gegenüber den Nazis (und angeblich vor allem Goebbels gegenüber) ins KZ redete.

Saturday, September 22, 2012

Berliner Kindheit um Neunzehnhundert

Walter Benjamin gehört - zumindest mit diesen Erinnerungen - zur Flaneur- bzw Observationsliteratur der 20er und 30er Jahre vergleichbar mit z. B.  Franz Hessel. Benjamin erzählt mit detailliert und romantizierend Anekdoten und Beobachtungen seiner Kindheit in dem Vorkriegsberlin, welches kein Berlin nach 1945 geboren noch kennt. Das macht ihn zwar einerseits faszinierend und eine interessante Quelle, aber andererseits versteht selbst der sich in Berlin auskennende Leser (icke) viele geographischen Andeutungen kaum. Eine gleichermaßen frustrierende wie anregende Lektüre auf eine gewisse Weise.

Wednesday, August 29, 2012

Friedrich II. von Hohenstaufen

Die Biographie von Friedrich II. von Hohenstaufen von Jacques Benoist-Méchin war mir bei meinen Eltern wegen der Verbindungen, welche der Hohenstaufer in die Arabische Welt pflegte, ins Auge gefallen. Nun, einige Monate später, las ich seine Biographie endlich. Friedrich II. (1194-1250) war Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, König Siziliens sowie König Jerusalems. Er profilierte sich in unzähligen Konflikten mit dem Papst, den ihm unterstehenden Fürsten auf Sizilien sowie in Deutschland, und schaffte es eine relativ lange und stabile Herrschaft aufrecht zu erhalten, was relativ erstaunlich war angesichts seiner kindlichen Machtlosigkeit. 

Doch diese Verschwörungen und Machtkämpfe interessierten mich letztens Endes weniger als die faszinierenden europäisch-arabischen Kontakte, welche dieser Kaiser pflegte. In Sizilien aufgewachsen sprach er fließend (oder zumindest ein wenig, je nach Leseart) Arabisch und baute seine spätere Machtfülle zum Teil auf eine Leibgarde arabischer Ritter, welche er (nachdem die deutschen Fürsten sie in Sizilien von der Macht vertrieben hatten) befriedete und in einer Siedlung (Lucera) mit allen Rechten angesiedelt hatte. Desweiteren leitete er den 5. Kreuzzug und beendete diesen (ohne den kriegerischen Teil überhaupt je wirklich angefangen zu haben) mit einem Vertragsfrieden und der christlichen (Wieder-)Machtergreifung in Jerusalem.

Die ideologisch geprägte Dichotomie zwischen Europa und dem Nahen Osten bzw dem Norden Afrikas wurde in der Gestalt Friedrich II. ad absurdum geführt. Nicht nur hatte dieser arabische Gelehrten an seinem Hof, er ließ weiterhin viele ursprüngliche griechische Texte aus dem arabischen ins lateinische übersetzen und lass obendrein arabische Logiker, Mathematiker und Mediziner.

Auch wenn der Autor Jacques Benoist-Méchin ein berühmter Kollaborateur war, was mir erst im Nachhinein bewusst wurde und sich im Text nicht niederschlug, was mich am meisten an ihm störte waren seine überzogenen Interpretation (genre: 'Friedrich II. war glücklich als er die Sonne aufgehen sah') und seine zeitweise naive Argumentation (genre: 'Denn war Friedrich II. nicht schon als Kind stolz gewesen?'). 

Die historische Figur des Kaisers bleibt nichtsdestotrotz faszinierend. Dieser versuchte sich auch an einem empirischen wissenschaftlichen Werk (über die Falknerei) auf Erfahrungen und nicht Zitaten aufbauend (und damit im Gegensatz zum Totschlagargument 'in der Bibel sagte Salomon bereits...'). Die negative Seite dieser erforschenden Neugierde wurde von einigen seiner Untertanen gezahlt. So ließ er eine Gruppe von Babies aufziehen unter dem strengsten Verbot mit ihnen zu sprechen. Sie starben alle schnell. Sein Ziel hierbei war gewesen, zu sehen, auf welche Ursprache sie zurückfallen würden.

Thursday, August 02, 2012

Berlin - Moskau

Wolfgang Büscher erzählt von seiner Reise zu Fuß Berlin - Moskau, er tut dies in einem unglaublich schön eingeschlagenen Buch, was fast der Hauptgrund war, daß ich mir es von einer Freundin auslieh. Glücklicherweise war auch der Text mehr als vernünftig. Büscher beschreibt seine monatelange Fußwanderung von Berlin durch Polen, Weißrussland und schließlich Russland nach Moskau. Er erzählt von seinen Begegnungen, den skurrilen oder eindrucksvollen Charakteren, welche ihm auf seiner Wanderung begegnen. Er erzählt Anekdoten der Geschichte der jeweiligen Region bzw seiner Erfahrung an historischer Stätte. Ein schnell gelesenes gleichzeitig aber nachdenkliches Buch über eine aus der Gesellschaft aussteigende, besondere Erfahrung. Mein einziger Kritikpunkt wäre, daß ich den Autor zeitweise zu schnell, zu westlich, zu verdammend in seinen Wertungen fand. Es ist schwierig hier ein konkretes Beispiel zu finden, es liegt dem Ganzen mehr ein Gefühl zu Grunde auf seine Sprache basiert.

Tuesday, June 05, 2012

Jeder stirbt für sich allein

Deutsche Literatur, habe ich oft den Eindruck, wird im Ausland nur sehr begrenzt - hallo Hermann Hesse - wahrgenommen. Umso überraschender scheint es, daß Hans Fallada mit seinem Widerstandsroman Jeder stirbt für sich allein einen posthumen Erfolg in Frankreich, den Vereinigten Staten, Großbritannien sowie Israel landete, mehr als 50 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung! In Deutschland davor kaum bekannt gewesen, Hans Falladas Ruhm beruhte eher auf seinem Klassiker Kleiner Mann - was nun? oder auch seines Eisernen Gustaves, wurde eine neue Ausgabe auch hier (eigentlich dort) ein Erfolg. 

Nun könnte man sich der Vermutung hingeben, daß 1947 viel zu früh war, um im geistig immer noch braunen Deutschland Erfolg mit einem Widerstandsroman zu haben, oder man könnte über den Propheten im eigenen Lande philosophieren (siehe Glaser, Georg), ich will mich aber lieber direkt Falladas Roman und seinen Protagonisten bzw ihre wahren Vorbildern widmen.

Fallada beschreibt - vergleichbar mit Franz Hessel in der Hinsicht, wenn auch natürlich ganz anders - ein Berlin, welches schon seit Jahrzehnten nicht mehr existiert, das Miljöh Zilles wie man so schön sagt oder sagen könnte (denn gleich sind das Berlin dieser beiden natürlich nur aus der weit entfernten Perspektive des 21. Jahrhunderts) - das arbeitende, rote Berlin des Weddings, des Prenzlauer Bergs, Friedrichshains, der Trinker, der Huren, ihrer Zuhälter und ihrer aller Kinder. Fallada gelingt es dieses vergangene Berlin in seinen Dialogen, in seiner Handlung einzufangen. Seine Protagonisten sind (alle saufende interessanterweise) treue Nazis, skrupellose Profiteure oder Schmarotzer, anständige, aber harmlose passive Mitläufer und schließlich prinzipientreue sich dem Nazi-Wahn versagende Kleinbürger, welche ihr Leben in einem sinnlosen - wenn nicht gar sinnfreien - Widerstand riskieren.

Denn die Helden dieses Romans, die Quangels - bzw die wirklich lebenden Hampels von deren Gerichtsakten Fallada sich inspirieren ließ, - verteilen einfach nur Postkarten versehen mit fehlerhaften, handgeschriebenen Parolen: "Fort mit dem Hitler Verreckungs System. Der gemeine Soldat Hitler und seine Bande stürzen uns in den Abgrund. Dieser Hitler Göring Himmler Goebbels Band ist in unser Deutschland nur Todes Raum zu gewähren!" (link) Diese Postkarten werden nicht ein mal mehr groß gelesen oder weiter verteilt, sondern in einem traurigen Indiz für den moralischen Zustand des Landes in den 30er/40er Jahren anstandslos bei der Gestapo abgegeben.

Trotzdem sind Otto und Elise Hampel - bzw Otto und Anna Quangel - natürlich eindrucksvolle Gestalten, welche sich unter in Kaufnahme des Risikos und trotz ihrer offenkundigen anfänglichen Sympathien für die Nazis - Otto war Mitglied im Stahhelm bis 1933 - nach dem Tod des Bruders von Elise in Frankreich für den Widerstand im Kleinen entschließen.

Auch wenn Jeder stirbt für sich allein zeitweise ein wenig zu langatmig, zu predigend und offensichtlich geworden ist, so ist es doch ein eindrucksvolles Zeitdokument des kleinen Berlins der Nationalsozialisten. Wenn auch leider - oft? - die Wirklichkeit noch grausamer war als Fallada es sich zutraute sie zu schildern.

Bei aller einfühlsamen Genauigkeit verzichtet Fallada allerdings darauf, die letzte bittere Tragik im Leben der Hampels zu schildern. Die Eheleute waren vom Urteilsspruch der Todesstrafe, mit dem sie nicht gerechnet hatten, derart erschüttert, dass sie in ihren Gnadengesuchen begannen, sich gegenseitig zu beschuldigen, um die eigene Haut zu retten. Elise Hampel beschwor das seelische Leid nach dem Tod ihres Bruders; ihr Mann, fuhr sie fort, machte sich diese Gefühlslage "zu nutze mich mit seinem Willen und Gedanken zu beeinflussen, um mich in diese Verwirrungen und Verirrungen zu treiben". Otto Hampel hingegen schob die Schuld seiner Frau zu: "Ihr dauerndes getöse und Unzufriedenheit und drängen zum verbreiten ergab es das so lange zeit die Karten in Erscheinung kamen." (aus der Zeit)

Wednesday, May 23, 2012

Das Attentat

Harry Mulisch, Sohn einer jüdischen Deutschen und eines nach dem Krieg internierten österreichischen Wehrmachtsoffizier, erzählt in Das Attentat die Geschichte und Auswirkungen eines Mordanschlages des niederländischen Widerstandes gegen einen ebenfalls niederländischen Kollaborateur. Mulischs Hauptfigur ist der kleine Junge vor dessen Haus sich das Opfer fand und dessen Familie der Reaktion der deutschen Besatzer ausgesetzt war. Im Laufe seines Lebens trifft er in späteren Jahren, ohne diese groß zu suchen, die anderen Protagonisten, Leidtragenden, dieses Abends - der Sohn des Kollaborateurs, den Täter und eine weitere Widerständlerin.

Wednesday, May 02, 2012

Selam Berlin

Durch eine Dissertationsvorhaben auf Yade Karas Selam Berlin gestoßen las ich den Roman kürzlich an einem Stück im Zug von Köln nach (West-)Berlin sitzend. Kara erzählt die späte Jugend eines deutschen Türken (türkischen Deutschen vielleicht eher), der mit dem Mauerfall als 19-jähriger nach Berlin zurückzieht. Hier sieht er sich einerseits konfrontiert mit einem neuen deutschen Wir-Gefühl von dem die einheimischen türkischen Berliner ausgeschlossen zu sein scheinen andererseits mit türkisch-ostdeutschen Familiengeschichten deren Grundlage - in ihrer Normalität - bzw Karas Phantasie mich interessieren würden.

Kara ist keine intellektuallisierende Autorin, aber ihr Roman, abgesehen vom reinen Lesevergnügen, eröffnet dem (west-berliner) Leser eine Perspektive einer Welt, welche ihm (mir) einerseits zutiefst vertraut (denn ich wuchs ja in der gleichen eingeschlossenen Stadt auf), aber andererseits vollkommen fremd ist (ich habe kaum einen Bezug zur Türkei). Eine wirklich interessante, aufschlussreiche Lektüre.

Wednesday, April 18, 2012

Nos vingt ans

Il doit être incroyablement difficile de s'essayer dans le même métier que son père ou sa mère et dont celui excelle. Autant plus peut-être si on doit se mesurer pas avec un parent mais avec son mari, son compagnon. Il y en ceux qui réussissent, Klaus ou Heinrich Mann par exemple ou Justin Townes Earle, mais il y en surtout qui n'arrivent pas à sortir de leur médiocrité qui ne semble que plus frappant quand comparé à cet autre personne.

Voici alors Clara Malraux, femme d'André Malraux dans les années vingts, issue d'une famille juive bourgeoise franco-allemande elle grandit à Paris où elle rencontre André et mariât cet homme beaucoup plus pauvre qu'elle d'un coup de foudre. Ils passent deux ans de voyage et plaisir à Paris, en Tunisie, en Allemagne, Autriche et ailleurs quand il réussit à perdre son argent à la bourse. Il faut un moyen de faire de l'argent alors. Et André propose l'idée fantaisiste d'aller en Indochine (Cambodge) afin d'y voler des statues dans des temples peu connus et le vendre aux États-Unis après. Fou. Mais c'est ce qu'ils faisaient. Sans beaucoup de succès vu qu'ils finissent tous les deux en prison. Clara finalement rentre en France et réussisse à lui libérer aussi suite à une campagne basé sur le début de son renommé autant qu'auteur.

Nos vingt ans c'est l'histoire de leur rencontre alors et ces aventures qui suivait. Et pourtant qu'elle est clairement inférieure à son mari en tant qu'auteure, Clara sait raconté cet histoire avec des émotions qui l'accompagnait, pas seulement en Indochine mais aussi avant avec sa famille franco-allemand directement touché par la première guerre mondiale. Elle fait même des références à son futur (en terme de chronologie de sa vie) de résistante pendant la deuxième guerre. 

Un couple libre, fou et admirable et un livre qui valait bien son coup.

Friday, March 30, 2012

Spazieren in Berlin

Nach Pariser Romanze war Spazieren in Berlin das zweite Buch von Franz Hessel welches ich las. Fuer sowohl meinen als auch seinen Lebenslauf passend also ein Buch über Paris, eins über Berlin. Aber Spazieren in Berlin unterscheidet sich stark von seiner Pariser Romanze. In letzterem erzählte Hessel die Gundzüge seiner beginnenden Affäre mit Helen Grund, welche nicht nur im bekannten Film (und Buch) Jules et Jim endete, sondern auch in der Geburt von Stéphane Hessel mündete. Paris bildet hier den ausführlich geschilderten Hintergrund nicht mehr aber auch nicht weniger. 

Sein Berliner Buch hingegen fokussiert kaum auf seine wenigen Protagonisten, sondern konzentriert sich vielmehr auf das Leben der Stadt. Hessel, der Flaneur, verliert sich bzw erläuft sich eigentlich sehr gezielt verloren in Markthallen, Fabriken und Stadtvierteln lässt sich von lokalen Führern herumführen und beobachtet. Und das ist wirklich was dieses Buch ausmacht, die Beobachtung, Hessel hat die Ruhe sich auf die anderen zu konzentrieren, ihnen zu folgen, ihnen zu zusehen und sie dann zu beschreiben. Er erscheint - ähnlich wie in der Pariser Romanze übrigens -  nur begrenzt in der Lage an diesen Leben teilzunehmen, aber er besitzt eine Offenheit und ein Einfühlungsvermoegen, welche eindrucksvoll sind und ihm detailgenaue Beschreibungen ermöglichen, welche für viel andere Autoren (ja gar einige Leser) womöglich zu exakt und detailliert sind.

Das Ganze ergibt eine Art Collage von Berlin Anfang der 30er. Hessel scheint das entschwundene Berlin der späten 19. Jahrhunderts zu bedauern und referenziert es desöfteren via literarischer Einschübe anderer Autoren. Dies wiederum macht die Perzeption auf Seiten des Leser, vertraut mit dem Berlin des frühen 21. Jahrhunderts zeitweise schwierig, aber dafür auch um so aufschlussreicher. Genauso wie ich das Verschwinden des Berlins in dem ich aufwuchs zur Kenntnis nehme (und bedauere), genauso beschreibt Hessel ein Berlin, welches spätestens mit den Zerstörungen des 2. Weltkrieges fast vollständig verschwand.