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Wednesday, November 05, 2014

Othering - Afrika in Berlin

Amur bin Nasur kam 1867 auf Sansibar zur Welt. In seiner Autobiographie schildert er teils befremdet, teils amüsiert die seltsamen Sitten und Gebräuche der Berliner:
„Als ich zuerst Berlin sah, fragte ich, wie viele Menschen in dieser Stadt wären, und man sagte mir, anderthalb Millionen sind in dieser Stadt. Und ich sah mehrstöckige Häuser in dieser Stadt. Jedes Haus hatte drei Stockwerke und vier Stockwerke und jedes Stockwerk ist voll von Menschen. Und ich fragte alle Tage, als ich da war: Wo sind eigentlich die Besitzer dieser Häuser? Ich weiß nichts von ihnen. Und danach kam mein Freund und Lehrer mit Namen Hans und nahm mich mit zu sich und nahm mich freundlich auf. Und er zeigte mir ein wenig die Straßen der Stadt und zeigte mir die Berliner Sachen und lehrte mich schreiben und lesen, bis ich es konnte. Danach begannen wir unseren Unterricht, und ich bekam Schüler zu unterrichten. Und es war mein Geschäft, ihnen das Suaheli und das Schreiben zu lehren, und sie lernten.“
...
„Und an einem Tage kam mein Freund Velten und sagte: Bitte, Amur, heute wollen wir in ein Bierhaus gehen, und ich sagte: O ja, aber wo ist es? Und er sagte: es ist nahe, es ist nicht weit. Und wir standen auf und gingen in das Bierhaus, und ich sah viele kleine Spiegel an der ganzen Wand und sah auch Lichter jeder Art. [...] Und darnach sahen wir Leute mit Geigen und Trompeten und Trommeln, und ich sagte, wo gehen diese Leute hin? Und er sagte zu mir: Die Leute werden mit diesen Trommeln und Trompeten für uns spielen, die wir hier Bier trinken. [...] Und danach standen wir auf und gingen in ein anderes Haus, und fanden es noch großartiger, wie jenes. Und danach gingen wir von einem Haus ins andere bis wir in sieben gewesen waren, und eines war immer großartiger, als das andere. [...] Und danach standen wir auf und gingen nach Hause.“

Tuesday, October 22, 2013

Oublier Berlin

Jean-Yves Cendrey commence son livre Oublier Berlin avec une citation de Céline qui peut être lu symbolique pour la ville qu'il décrit ainsi: "Pluie, soleil, ou neige Berlin a jamais fait rire, personne!"

Cendrey s'est mis dans ma cœur par une drôle de façon, par son dépit de Berlin. A un moment où tout le monde semble s'approprier la ville, où même les expatriés hipsters s'auto-proclament innocent du sacking (en autres mots: le changement) de Berlin, cet auteur français parle d'une ville qu'il trouve froid, sans charme, dans un pays qui vit une résurgence de l’extrême droite où les attentats sur les maisons d'habitations des demandeurs d’asiles paraissent quotidien. C'est le Berlin, l'Allemagne de Mölln, de Rostock-Lichtenhagen, directement après la réunification avant ni les touristes ni les expatriés avait découvert la ville. 

Années glorieuses soi-disant, sauf que Cendrey n'aimait pas la ville. Il s'échauffe sur le comportement bien berlinois de toujours gueuler sur son voisin (un vrai Berlinois ça se fait remarquer par sa Berliner Schnauze - sa gueule de gueulard), il s'échauffe du temps, des administrateurs, des policiers. Et il a raison évidemment, la ville qu'il décrit était (et l'est) moche, les gens n'y sont pas trop sympa et il n'y a toujours pas particulièrement de style (hors de quelques quartiers en vogue du centre-ville).

Un aperçu d'un Berlin qui n'existe plus où qui existe - en partie - encore mais qui a été couvert par un nouvelle image celle d'un Berlin arm aber sexy (pauvre mais sexy) peuplé par par des gens hips du monde entier. Un aperçu qui vaut bien le coup en plus. Et d'ailleurs autant que Cendrey avait raison, autant que je suis d'accord avec lui, je reste un fier Berlinois et Cendrey évidemment y vit de nouveau depuis un décennie maintenant. Je suis curieux de voir ce qu'il a écrit sur Berlin ces derniers années au fait.

Tuesday, October 15, 2013

Berlin, Alexanderplatz

Nach langen Jahren wieder ein mal in Berlin wohnend hatte ich mir Alfred Döblins Berlin, Alexanderplatz bei meinem Vater aus dem Regal geholt, weil es als DER Klassiker der Berlinliteratur passend schien. Und was für eine Entdeckung! Döblins erratische Schreibweise, sein scheinbar planloses Irren zwischen faktischen Beschreibungen, Gefühlen und Dialogen erinnerte mich an Joyce, Faulkner, Sartre und Kateb Yacine. Schriftsteller also die ich vor (fast) allen anderen schätze.

Berlin, Alexanderplatz erzählt von einem der aus dem Gefängnis entlassen wird und nun versuchen will sein Leben auf der gerade Bahn im proletarischen Berliner Osten fortzusetzen. Döblin betreibt im Prinzip einerseits eine Art Milieustudie sicherlich auf seinen Erfahrungen als Kassenarzt in Lichtenberg aufbauend, er beschreibt aber natürlich andererseits ein Individuum, einen Anti-Helden namens Franz Biberkopf.

Das Buch ist aber nicht nur als Roman als solcher faszinierend, sondern auch als historisches Porträt einer Zeit (1928), die heutzutage fast nur noch vom Ende her (das kommende Dritte Reich) gedacht und deswegen als solche selten dargestellt wird. Oder wenn dann nur als Mythos. Hier sind die Nazis eben keine massenmörderischen Schwerverbrecher, sondern eine politische Gruppierung unter anderen, welche auch ein (1941 zum Katholizismus konvertierter) jüdischer Romanautor als ideologischen Zufluchtsort seines durch die Revolution 1918/19 von der Linken enttäuschten Helden zeichnen kann. Desselben Helden der ein - oberflächliches - freundschaftliches Verhältnis zu zwei - nun wirklich nicht assimilierten - Ostjuden unterhält und zeitweise auch eine Schwulenzeitung verkauft. Grenzen, welche aus heutiger Sich scharf gezogen werden, existierten damals nicht unbedingt in gleichem Maße. 

Aber Biberkopf ist natürlich vor allem unpolitisch - ja passiv und naiv - und diese Zeitepoche mit vor allem ihrer wirtschaftlichen Problematik spiegelt sich zwar in seinem Leben wieder, ist aber nur der Anstoß bzw. der Hintergrund für sein persönliches Schicksal. Wirklich ein Muss für jeden Leser an moderner Literatur und Berlin interessiert.

Saturday, September 22, 2012

Berliner Kindheit um Neunzehnhundert

Walter Benjamin gehört - zumindest mit diesen Erinnerungen - zur Flaneur- bzw Observationsliteratur der 20er und 30er Jahre vergleichbar mit z. B.  Franz Hessel. Benjamin erzählt mit detailliert und romantizierend Anekdoten und Beobachtungen seiner Kindheit in dem Vorkriegsberlin, welches kein Berlin nach 1945 geboren noch kennt. Das macht ihn zwar einerseits faszinierend und eine interessante Quelle, aber andererseits versteht selbst der sich in Berlin auskennende Leser (icke) viele geographischen Andeutungen kaum. Eine gleichermaßen frustrierende wie anregende Lektüre auf eine gewisse Weise.

Wednesday, May 02, 2012

Selam Berlin

Durch eine Dissertationsvorhaben auf Yade Karas Selam Berlin gestoßen las ich den Roman kürzlich an einem Stück im Zug von Köln nach (West-)Berlin sitzend. Kara erzählt die späte Jugend eines deutschen Türken (türkischen Deutschen vielleicht eher), der mit dem Mauerfall als 19-jähriger nach Berlin zurückzieht. Hier sieht er sich einerseits konfrontiert mit einem neuen deutschen Wir-Gefühl von dem die einheimischen türkischen Berliner ausgeschlossen zu sein scheinen andererseits mit türkisch-ostdeutschen Familiengeschichten deren Grundlage - in ihrer Normalität - bzw Karas Phantasie mich interessieren würden.

Kara ist keine intellektuallisierende Autorin, aber ihr Roman, abgesehen vom reinen Lesevergnügen, eröffnet dem (west-berliner) Leser eine Perspektive einer Welt, welche ihm (mir) einerseits zutiefst vertraut (denn ich wuchs ja in der gleichen eingeschlossenen Stadt auf), aber andererseits vollkommen fremd ist (ich habe kaum einen Bezug zur Türkei). Eine wirklich interessante, aufschlussreiche Lektüre.

Friday, March 30, 2012

Spazieren in Berlin

Nach Pariser Romanze war Spazieren in Berlin das zweite Buch von Franz Hessel welches ich las. Fuer sowohl meinen als auch seinen Lebenslauf passend also ein Buch über Paris, eins über Berlin. Aber Spazieren in Berlin unterscheidet sich stark von seiner Pariser Romanze. In letzterem erzählte Hessel die Gundzüge seiner beginnenden Affäre mit Helen Grund, welche nicht nur im bekannten Film (und Buch) Jules et Jim endete, sondern auch in der Geburt von Stéphane Hessel mündete. Paris bildet hier den ausführlich geschilderten Hintergrund nicht mehr aber auch nicht weniger. 

Sein Berliner Buch hingegen fokussiert kaum auf seine wenigen Protagonisten, sondern konzentriert sich vielmehr auf das Leben der Stadt. Hessel, der Flaneur, verliert sich bzw erläuft sich eigentlich sehr gezielt verloren in Markthallen, Fabriken und Stadtvierteln lässt sich von lokalen Führern herumführen und beobachtet. Und das ist wirklich was dieses Buch ausmacht, die Beobachtung, Hessel hat die Ruhe sich auf die anderen zu konzentrieren, ihnen zu folgen, ihnen zu zusehen und sie dann zu beschreiben. Er erscheint - ähnlich wie in der Pariser Romanze übrigens -  nur begrenzt in der Lage an diesen Leben teilzunehmen, aber er besitzt eine Offenheit und ein Einfühlungsvermoegen, welche eindrucksvoll sind und ihm detailgenaue Beschreibungen ermöglichen, welche für viel andere Autoren (ja gar einige Leser) womöglich zu exakt und detailliert sind.

Das Ganze ergibt eine Art Collage von Berlin Anfang der 30er. Hessel scheint das entschwundene Berlin der späten 19. Jahrhunderts zu bedauern und referenziert es desöfteren via literarischer Einschübe anderer Autoren. Dies wiederum macht die Perzeption auf Seiten des Leser, vertraut mit dem Berlin des frühen 21. Jahrhunderts zeitweise schwierig, aber dafür auch um so aufschlussreicher. Genauso wie ich das Verschwinden des Berlins in dem ich aufwuchs zur Kenntnis nehme (und bedauere), genauso beschreibt Hessel ein Berlin, welches spätestens mit den Zerstörungen des 2. Weltkrieges fast vollständig verschwand.

Tuesday, February 14, 2012

Berlin Noir

Like most everybody I enjoy the occasional crime novel and film noir. In particular if they take place in Berlin maybe (like The Good German) but I enjoy the regional setting in general (as with Tony Hillerman and James Lee Burke). Philip Kerr's Berlin Noir series, which consists of three novels March Violets, The Pale Criminal, and A German Requiem revolving around Bernie Gunther the kind of brash-talking crime hunter on the out of traditional police forces and fighting his own demons as much as others' crimes - kind of like Dave Robicheaux really only in the Berlin of the 30s.

This is not la grande littérature as you would put it in French, but it makes for an entertaining read and Kerr's research is good enough to escape my criticism with few German-language or German history errors contained in these novels. Dagmarr is spelled with one r only of course, but I had to actually read up about Arthur Nebe on Wikipedia before I could appreciate the historical accuracy of Kerr's wildly fantastic and speculative story-telling.

Friday, January 06, 2012

Educated Migrants and Self-Exclusion

Gran Tourismo Travels posted an interesting interview with Paul Sullivan who runs Slow Travel Berlin. I appreciate the underlying concept and idea laid out in the interview as well as - to some extent - both websites. According to Paul slow travel were to mean
Taking your time around a city, not rushing, resisting the urge to follow itineraries, and interacting with local people and local culture, using local businesses, and using public transport and bicycles. Dropping in to a place and just doing your own thing, or knowing the ‘rules’ and breaking them.
I have never really traveled any other way, so I am not certain how much of a novel concept this is and whether it requires its own moniker. Whatever though, I adhere to most of the ideas and Paul's website seems well done/researched and I probably should recommend him for his initiative trying to - at the margins - change mass tourism.

Yet, what struck me in the aforementioned interview is a topic I have blogged about before and that I do not seem to be able to shake, namely Berlin and its recent influx of white liberal Europeans (and Americans) who stay ignorant of the city they choose to live in to an extent that I find simply astonishing.

According to Paul 'there’s a resistance to capitalism [in Berlin], a leftover of the legacy of communism perhaps.' You have never heard of Kreuzberg pre-reunification I assume? The squats of the 80s, the Wehrpflichtflüchtigen, the riots around May 1st? Even in the early part of the 20th century Berlin was redder than the rest of the country. That's just slight historical ignorance though, let's ignore it in turn.

More importantly Paul believes that 'many [...] Berliners [...] work in the international creative industries and are used to speaking English and are open to foreigners.' Well, yeah, actually, you know what? No! Most Berliners live in parts of the city most young, educated migrants to Berlin - whether German or foreign - never go to. Spandau, Reinickendorf, Hohenschönhausen, Marzahn, the whole South West, the list goes on. These people might speak English to some extent or another but they most definitely do not work in 'international creative industries' or are 'used to speaking English.' Arguably most of them aren't even 'open to foreigners' even when they might themselves be of Polish, Turkish, Vietnamese or Yugoslav origin. They are also not the 'handful of anarchists who hate tourists' by the way.

Really what this - and soyons honnête - most of the Slow Travel website hints at is the self-exclusion and incestuous nature of most expats living in Berlin (or really anywhere else). Let's face it, if you come to Berlin without knowing German, you will gain nothing but an extremely fleeting, superficial comprehension of the city - no matter how slow you travel. Hanging out with other expats and tourists in English-language bookshops in Kreuzberg will not give you a proper understanding of Berlin either.

Point being? I am not sure. I really like the website actually. There is good research in a piece on the Pfaueninsel and a literary take on the Kudamm. Yet, I am repeatedly irked by the all too common perception of Berlin as the party town consisting essentially of the inner-city areas populated by cool people. I lived close to Barbès in Paris, I currently live near Bab Souika in Tunis, here are two women describing their quartier in Lichterfelde, I sympathize with the goals set out by the slow travel movement, in fact I try to live it on a daily basis. Paul's comments cited above make me think of my well-educated, bourgeois Tunisian acquaintances who were absolutely shocked at seeing the Ennahda, the Islamist party, handily win elections here. You need to leave your bubble if you want to know what's going on. Ironically, Paul's website tries do that even while he fails at it in his interview.

Monday, April 18, 2011

White liberal European immigrants in Berlin

Joel Alas, in the English edition of the Tagesspiegel, denounces the 'demonizing of “international party tourists” (which includes longer-term foreigners who remain for months or years)' as 'a form of racism and xenophobia.' For him:

The arguments used against foreigners – rising rents, noisy streets, neighbourhood upheaval – should be directed toward the government policies which have enabled such changes, and the landlords who have taken advantage of deregulated rental prices. Stop blaming foreigners for Berlin’s political and economic structural problems.
Mark Espiner touts a similar horn in his article Berlin doesn't love you focusing on Neukölln. Yet, especially Alas, completely misunderstands the premise of the wave of criticism that has hit Berlin's party tourists and offers a Todschlagargument in response that it impossible to counter but that is simply invalid.

It is not because of racism that these short- and longer-term foreigners are met with a (semi-)hostile attitude. Rather one has to clearly differentiate between classic immigration waves of Turks, Poles or Serbs, which intended to (re)create their lives in Berlin and modern party tourists. The problem with the latter lies in their superficial presence in Berlin. They live there in passing only, without necessarily truly knowing the language, without regard nor knowledge of German or Berlin history or literature. They are part of Berlin but not of it as Churchill might put it.

Don't get me wrong, most of my recent Berlin friends are foreigners. I personally lived in Paris until a few days ago only and am now residing in Tunis. I like foreigners, I am one myself most of the time. But I speak and write French, I lived in Paris as a Parisian surrounded by French friends, speaking French, reading French literature and newspapers, listening to French music. In Tunisia now, I am starting to learn Arabic tomorrow. I will not restrict myself to German or French friends. In fact, I despise expat community living.

Yet, that is what most Western foreigners coming to Berlin do. They come for the party, for the cheap rents. They come for the fun, not to truly live there. Why the sudden emergence of English language editions of German newspapers? Isn't it just a question of common courtesy to speak the language of the place where you live? Especially since most of the people we are talking about here have at least finished their undergraduate studies, if not more?

If you're an American living in Paris, not speaking French, hanging out with your American friends or obliging your few French ones to speak English or if you're a German living in Mallorca doing the same thing, it is not racist to say that you're not contributing to the cohesiveness of the respective society, rather you're abetting its stratification. It is not xenophobic to say that you are contributing to gentrification (as do all the German middle class folks moving into cool neighborhoods of course) and the further exclusion of less well-earning parts of the general populace. Rather it is a denial of reality to claim that 'white liberal European immigrants' have not significantly changed Berlin - and not just in a good way, but that is a discussion that such be led without cheapshot arguments invoking the Nazi-threat without naming it and, quite honestly, it should also be led in German. Zumindest dann, wenn Du wirklich ein Berliner bist und willst, daß auch der Teil der Bevölkerung, der kein Englisch kann, daran teilnehmen soll.

Monday, April 04, 2011

Berlin gestern und heute

Berlin ist wie eine ehemalige Geliebte über die man nie hinwegkommt. Wer hier geboren ist, wird wohl Zeit seines Lebens nie eine gewisse Sentimentalität im Umgang mit dieser seiner Heimatstadt missen lassen. Dies um so mehr in Anbetracht der Tatsache, daß Berlin sich in einem Maße und Tempo verändert ist, welche zumindest in der restlichen westlichen Welt ihresgleichen suchen. In meiner Kindheit war (West-)Berlin eine Insel, Fahrten zu Verwandten in Westdeutschland - alleine die Bezeichnung verrät die innerliche Abgrenzung - dauerten Stunden inklusive langer Warte- und Stauzeiten an der Grenze. In meiner Jugend und Gymnasialzeit wiederum war die Mauer gefallen, der Osten lag offen und wir (meine erkundeten denselben. Clubs in renovierungsbedürftigen Bruchbuden und Kellerbauten, Bars ohne Lizenzen, Punks und andere Alternative überall. Berlin war voll von sogenannten Subkulturen, fuck, Berlin war eine Subkultur.

Dies blieb natürlich kein Geheimnis. Die Stadt füllte sich im Verlauf der 90er Jahre langsam aber sicher mit Auswärtigen - Schwaben, Amerikanern und anderen Ausländern. Eine Bereicherung der Stadt sollte man denken und individuell stimmt dies wohl auch aber die Masse zerstört was sie sucht. Denn die Zugewanderten waren ja vor allem normaler - oder: bürgerlicher - als die Anwohnenden. Sie mochten zwar auch gerne in coole Clubs und Bars gehen, waren aber nicht selber bereit im Gegenzug ihre Karriere aufzugeben. Dies waren keine Punks und andere Selbstaussteiger mehr, sondern coole, moderne Menschen, das Kleinbürgertum des 21. Jahrhunderts. Für alles offen, aber im eigenen Leben sich in serieller Monogamie ergebend, es zu etwas bringen wollen (was auch immer das sein mag), weltoffen aber patriotisch, Teil der Event- und Konsumkultur nicht der unpatriotischen Anti- und Drogenkultur, welche Berlin vorher dominiert hatte.

An dieser Stelle sollte ich wohl einfügen, daß ich mich - natürlich? - von dieser Gruppe von Menschen wenig unterscheide. An dieser Analyse etwas ändern tut dies nichts.

Prenzlauer Berg wurde schnell von einem bewohnten Geröllhaufen zu einem der teuersten Bezirke Berlins. Mitte entwickelte sich von einer hippen Bargegend zu einer Touristenmeile ohne jedweden Charakter. Friedrichshain wurde zu einer Bastion der bemüht coolen Menschen, dann verkam es zu einem Touristenpartydorf. Kreuzberg ist weit vorgerrückt auf seinem Entwicklungspfad von einem türkischen und Anarchobezirk zu einer Insel der westlichen Mittelklasse. Die letzten beiden Abende war ich nun in Neukölln. Auch hier hat jetzt der (inter-)nationale Partyjetset Einzug gehalten. Bars streng nach Bildungsniveau (und damit de fakto Ethnien) getrennt (keine Türken, keine Araber!) ziehen internationale, westliche pseudo-Alternative an (und einige echte Alternativen, welche als Musikanten für Unterhaltung und Flair sorgen).

Was in Berlin stattgefunden hat und sich weiter fortsetzt ist ein ganz normaler Prozess könnte man nun sagen. Gentrifikation. Normale quoi. Genauso wie in Brooklyn, im Pariser Nordosten und anderswo. Das stimmt natürlich. Und man muß sich auch die Nachteile des alten Berlins vor Augen halten, die hohe Arbeitslosigkeit, die Drogenszene, die prekäre wirtschaftliche Lage des Hauptteils der Bewohner der Berliner Innenstadt, schließlich die politische Isolierung und Machtlosigkeit der Alternativen- und Migrationsbezirke. Berlin war vielleicht sexy aber es war auf jeden Fall arm. Auch ästhetisch ließ sich das festhalten, der alte Zoo (Bahnhof) war alles andere als ansprechend. Straßen waren schmutzig, Häuser nicht renoviert, farblos und grau.

Berlin war häßlich, arm und voll von Problemen. Aber genau deswegen hatte Berlin einen Charm, den es heute vermissen lässt, Berlin war etwas Besonderes, das viele Jünger anzog, die zerstörten weswegen sie gekommen waren. Was in Berlin stattfand war - anders als in vielen anderen Städten - ein Prozess der Normalisierung nicht (allein) der Gentrifizierung. Berlin heute ist so wie der Rest der westlich-kapitalistischen Welt auch, dies war früher nicht der Fall. Ausländer (ob Deutsche oder nicht), welche heute nach Berlin kommen, verstehen dies nicht. Für sie ist Berlin cool, eine tolle Party- und Weggehstadt, immer noch alternativer als der Rest der Republik, vielleicht gar Europas. Sie haben wahrscheinlich recht, aber was sie nicht nachvollziehen/verstehen können ist die Nostalgie der Berliner gegenüber dem Häßlichen, dem Grauen, dem Besonderen, dem Unikaten was vorher war.

Sunday, November 28, 2010

Berlin, deux temps trois mouvements

Malheureusement j'ai laissé trainé la critique de ce petit livre beaucoup trop de temps et sans les impressions immédiates cet exercice ne vaut plus beaucoup trop souvent. Berlin, deux temps trois mouvements d'une certaine manière est une déclaration d'amour à Berlin de quelqu'un qui y a vécu (1985-1991) et qui se connait dans son histoire littéraire et intellectuelle avec une lucidité qui est impressionnante. D'une autre manière on pourrait réclamer que le livre sert comme guide touristique pour les sophistiqués qui ne voient pas l'intérêt du guide de masse du voyageur supposé individuel (Lonely Planet).

Je me suis bien retrouvé dans un livre qui décrit un Berlin que je connais à peine (à cause de mon âge à l'époque) mais dont je retiens un vif souvenir de mon adolescence qui se passait au même temps que la disparition de ce Berlin. Beaucoup de nostalgie, un peu de tristesse et d'amertume et le doute si - autant que je voudrais bien revenir vivre dans ma ville natale ('meine einstige Bleibe nicht meine Heimat' frei nach Peter Handke) de nouveau - je devais le faire simplement parce que cette ville à laquelle je tiens n'existe plus.

Berlin, en somme, est en train de devenir une ville comme les autres. D'où qu'on pourrait se détacher. Ou ne plus y poursuivre, dans une nostalgie troublé, que le souvenir de ce qui en faisait l'altérité, la violente, irrémédiable et dramatique originalité.

Wednesday, December 30, 2009

Erzwungener Verrat

Nach welchen moralischen Maßstäben kann man diejenigen verurteilen, welche unter unmöglichen Umständen nicht ihr eigenes Leben für andere opfern wollten? Kann man aus heutiger Sicht diese überhaupt richten? Und, immer wieder, wie hätte man denn selber agiert?

Doris Tausendfreunds Dissertation (Erzwungener Verrat. Jüdische 'Greifer' im Dienst der Gestapo 1943-1945) geht diesen Fragen nicht auf den Grund. Will es ja nicht tun, auch wenn das Verständnis der Autorin für die Zwangslage ihrer Subjekte klar wird. Tausendfreund erklärt das perfide System der Gestapo, welche jüdische Fahnder zur Aufspürung der sogenannten U-Boote (Juden 'illegal' in Berlin verblieben) einsetzte. Vergleichbar vielleicht mit den Kapos der KZs, erlaubten diese Fahnder (und Ordner) den Abtransport tausender Juden bei einem minimalen personellen Aufwand der Gestapo. Die Autorin betont den Unterschied zwischen Ordnern und Fahndern. Erstere befolgten direkte Befehle und holten z. B. Juden in ihren Wohnungen ab. Letztere waren eigenverantwortlich für die Suche nach untergetauchten Juden zuständig und einige von ihnen entwickelten sogar ein perfides Interesse auf der Jagd und an ihren Möglichkeiten sich hierdurch auch persönlich zu bereichern.

Schätzungen zufolge verweigerten 5000 Juden in Berlin sich ihrem Abtransport und riskierten das Leben als U-Boote. 1400 von ihnen überlebten. Diese U-Boote waren auf konstante Hilfe von allen Seiten angewiesen, sie hatten bald wenig Geld übrig, hatten Schwierigkeiten Obdach zu finden und sahen sich zusätzlich der normalen Problematik des De Facto-Obdachlosen, ständiger Verfolgung ausgesetzt. Diese Fahnder waren zum großen Teil vorher in Kontakt mit vielen Juden gekommen (einer hatte so in der Kleiderausgabe gearbeitet), viele hatten bereits vorher versucht im Untergrund zu entkommen und kannten die Tricks und Aufenthaltsorte ihrer Glaubens- und (so traurig es klingt) Leidensgenossen. Sie waren besser qualifiziert und erfolgreicher als die Gestapo in dem was sie taten. Absolute Zahlen sind unmöglich zu berechnen, aber die am längsten tätigen Fahnder waren für das Aufspüren und Denunzieren von hunderten von Juden verantwortlich. Sie warteten auf großen Plätzen und an Umsteigebahnhöfen auf alte Schulkameraden und andere bekannte Gesichter, erkundeten Bars und Cafés, unterhielten sich sympathisierend mit gefangenen Juden um an Informationen über ihre Familien zu gelangen.

Es ist schwierig, wenn nicht unmöglich, Verallgemeinerungen über diese Greifer zu treffen. Sie kamen aus allen sozialen Schichten, waren Kleinkrimminelle, Doktoren, Du und ich. Die bekannteste von Ihnen Stella Kübler-Isaaksohn, das blonde Gift, verriet wohl an die hundert Juden. Sie war selber, zusammen mit ihrem späteren Mann, aus dem Untergrund von einer Bekannten aufgegriffen worden. Anfangs wollte sie ihre Eltern schützen, sie wurde geschlagen und gequält, später arbeitete sie weiter auch nachdem ihre Eltern bereits deportiert worden waren. Doch hörte sie bereits vor Kriegsende mit der Suche auf (ob aus Selbstinteresse oder Reue bleibt offen) und zahlte mit dem höchsten in West-Berlin gefällten Urteil gegen einen Fahnder (10 Jahre) und dem Haß ihrer Tochter in Israel, welche sich wohl bis zu ihrem Selbstmord 1994 weigerte mit ihr wieder Kontakt aufzunehmen. Ihr Ehemann, Rolf Isaaksohn, weniger berühmt (weil keine Frau? weil nicht schön und blond?), aber um so effizienter, grausamer und erpressender, flüchtete sich 1944 Richtung Kiel mit 40.000 RM und war nie wieder gesehen oder gehört. Allgemein läßt sich sagen, daß die länger Dienenden in den meisten Fällen auch ein größeres kriminelles Eigeninteresse entwickelten und sich zur bezahlten Hilfe ihrer Opfer bereit erklärten oder sie nach Verhaftung auch noch beraubten ohne dies ihren Gestapo-Vorgesetzten gegenüber einzugestehen. Die Gestapo wiederum ließ sich natürlich (?) nicht bestechen (bzw anders ausgedrückt, ignorierte gegebene Versprechen) und deportierte auch ihre besten Fahnder.

Einige Greifer scheinen einfach zu verurteilen, die Isaaksohns scheinen ein solcher Fall. Ruth Danziger soll wiederholt versucht haben die Gestapo zu ihrer Tante zu führen. Helmuth Stecher, NSDAP-Mitglied seit 1930, in der SS bis zu seinem Ausschluß aus "charakterlichen Gründen" (!), schließlich 1943 enttarnt und aus der Wehrmacht ausgeschlossen. Auch er überlebte, als Vertrauter des Leiter des Judenreferates der Gestapo (Walter Dobberke), sein Spur verliert sich in München 1957.

Diesen bösen (schlechten, kann man das so sagen?) müssen andere gegenüber gestellt werden. Günther Abrahamsohn, welcher wiederholt Menschen entkommen ließ, bzw ihnen sogar aktive Hilfe gewährte. Ist es überraschend, daß diese Fälle sich je näher das Ende des Krieges rückte vermehrten? Ingeborg R., welche sich zur Zusammenarbeit erklärte, auch (angeblich unbeabsichtigt) einen Lebensmittelkartenhändler verriet und durch ihn mehrere seiner Kunden, aber die erste Möglichkeit zur Flucht nutzte und mit ihrem späteren Mann "bis Kriegsende auf Fahrrädern durch Deutschland fuhr." (Was für unglaubliche Geschichten sich hinter diesen lapidaren Sätzen verstecken müssen.)

Im Allgemeinen läßt sich sagen, daß alle Fahnder zeitweise anderen Juden halfen, manche für Geld, manche aus Opportunismus, manche mit Rücksicht auf die Nachkriegszeit, manche aus Überzeugung. Wer kann heute schon noch erkennen, wer wann wen warum laufen ließ? Das Leben ist leider nicht so klar definiert wie man es manchmal gerne hätte.

Mehr als die Hälfte der Greifer überlebten (in Bezug auf Stella muß man sich fragen, gerade in Bezug auf ihren Selbstmord, ihre 10 Jahre Haft in der SBZ und ihrem Verhältnis zu ihrer Tochter, was das hieß: Leben), was natürlich im Vergleich zur obengenannten Quote (1400/5000=0,28%) sehr viel ist. Zehn wurden deportiert, einer erschoss sich und seine Frau am Abend vor der Deportation. Ruth Danziger soll von überlebenden Juden 1945 in Berlin ermordet worden sein (Stella wurde erwiesenermaßen desöfteren körperlich angegriffen, die Gruppe 'Aufbau und Frieden' ließ bereits während des Krieges den Fahndern Todesurteile zukommen, dies scheint also durchaus möglich). Ein Fahnder soll auch bereits im Zug Richtung Theresienstadt von seinen Mitdeportierten (und vormaligen Opfern) erschlagen worden sein. Die restlichen 17 mußten sich zum großen Teil vor Gericht stellen (SBZ-Gerichten, dem Westberliner Amtsgericht, sogenannte jüdische Ehrengerichte). Einige wurde in der DDR hingerichtet, einige bekamen in Schauprozessen lange Strafen aufgebrummt (darunter auch einige Ordner) als Teil der gegen die BRD gerichtete Propaganda der exemplarische Entanzifizierung der DDR.

Was bleibt? Wie immer die mangelnde Aufklärung der BRD-Justiz. Kein einziger der ehemaligen Gestapo-Vorgesetzten wurde für das verurteilt zu was diese Opfer zu Tätern zu werden gezwungen worden waren. Walter Dobberke verstarb in sowjetischer Haft direkt nach Kriegsende. Stella wurde ein Mythos mit eigenem Buch, Film und Wikipedia-Seite.

Als Schlussnote, war ich geschockt von der legalistischen Art der Gestapo, der Nazis, der Deutschen (nein, denn wie Glaser schon meinte, es gibt keine Universalschuld, auch wenn ich in diesem Fall nicht sicher bin, ob er sich nicht irrt und die Universalschuld vielmehr einige, wenige Ausnahmen enthält) auch noch im absoluten Chaos des Krieges und angesichts ihren abartigen Verbrechen. So leitete die Gestapo 1942 ein Korruptionsverfahren gegen einige Beamte ihres Judenreferates ein, da diese sich unrechtmäßig an jüdischem Eigentum bereichert hätten. Desweiteren wurden Juden nach ihrer Deportation enteignet aufgrund ihres "gewöhnlichen Aufenthalts im Ausland" "unter Umständen, die erkennen lassen, daß sie dort nicht nur vorrübergehend" seien. Unter den damaligen Grenzen wurde das heutige Polen juristisch dafür extra als Ausland eingestuft. Muß man da eigentlich noch irgendetwas dazu sagen?

Monday, December 07, 2009

The Good German

An easily accessible thriller, Joseph Kanon's The Good German was made into a film a few years ago which I had seen. The story taking place in post war 1945 Berlin, I was (inevitably I suppose) intrigued. There isn't much to say about the novel per se. It is a crime novel. The American hero returns to his post war home of Berlin in search of his erstwhile lover whose physicist husband has become an important cog in the scientific Nazi research team at Pennemuende. Both the Russians and Americans are trying to recruit those scientists, our hero is trying to protect his love interest while working on the murder of an American enriching himself through the black market. Confusion ensues, but, of course, this is a laid back crime novel after all, life never becomes really bad.

What is far more interesting are the (apparently and apart from a few irritatingly Anglicized German plurals: ein Greifer, zwei Greifers) well-researched facets of life in Berlin during the summer and fall of 1945 and the early American occupation. Among the most interesting or shocking of these, was the process of a Jewish girl which had worked for the Gestapo looking for Jews who were then deported. The apparent (and near total) breakdown of discipline within the US armed forces. And finally, the American willingness to ignore or even to hide the Nazi past of important scientists, recruited in preparation of the confrontation against the Soviet Union.

Tuesday, August 04, 2009

Life in Berlin

Coming home for a weekend and jumping right back into life there seems so easy. I carried my sister's and her boyfriend's crap up the stairs for three hours. I had drinks with my ol-timey friends, coffee in the Bergmannstr with more recent ones. Yet, having spent so much time away changes one's perceptions, makes one have a stranger's point of view more than that of an inhabitant at various points.

Case in point. I went swimming Sunday, left Berlin and spent the afternoon at a lake, drinking beers, lying in the sun, discussing life and the such. Good times. The point isn't that I hadn't been at the Sacrower See in ages, nor that things seemingly hadn't changed with the old east-German Datschas still standing, but rather that I was shocked, well not not shocked, surprised would be more appropriate, at the number of naked kids, bare-breasted women and nude adults in general that were hanging out there. A few years ago I probably would have not even noticed this, but yesterday it struck me as a rather specific German cultural element. In France or Spain women might go topless at times, in the US, Turkey or Italia (talking about countries I decently know thus) this virtually never happens and even in the aforementioned countries full nudity is rather rare.

The popular explanation for this peculiar German trait relates it to the oppressive East-German regime which led people to some kind of inner emigration (to the beach) and liberation (by taking off their clothes). While there undoubtedly is some truth to this theory, FKK (Freikörperkultur - free body culture) apparently was far more popular in Eastern Germany than the rest of the country, it does not seem to offer a sufficient explanation as it discounts the Austrian and West German FKKs. Can I offer a better explanation then? No, sorry. I will pass it along if I come across something though.

Wednesday, September 10, 2008

Jiddisch im Berliner Jargon

Seit Ewigkeiten hier nichts mehr geschrieben, hatte meine ersten zweiten Magisterprüfungen die letzten Tage. Heute morgen aber habe ich auf dem Weg zum Flughafen zum ersten Mal seit längerem wieder einfach nur für mich selber gelesen. War schön.

Ich hatte mir Jiddisch im Berliner Jargon oder Hebräische Sprachelemente im deutschen Wortschatz von dem Mitbewohner eines Kumpels letztens ausgeliehen und es dann heute schnell gelesen. Ich finde es nicht besonders schön geschrieben und es ist wirklich sehr kurz, aber die Ansammlung von jiddischen Worten im Deutschen ist beeindruckend und ich möchte einfach nur kurz meine Lieblinge auflisten:

- Mischpoke
- zocken (was ich andauernd benutze)
- malochen
- Schlamassel
- Ische (nicht schön, aber witzig)
- Moos (im Sinne von Geld)
- Zoff
- Ausbaldowern
- Bammel haben
- blauer Montag (der in seinem Ursprung nichts mit der Farbe Blau zu tun hat)
- Chuzpe
- dufte
- Gauner, Ganove
- sich kabbeln
- ein Kaff
- kess
- mauscheln
- Miesepeter
- ein feiner Pinkel
- Reibach machen
- jemanden einseifen

Ich hatte mit einer Freundin in Boston schon eine Liste schöner Worte erstellt gehabt, viele von diesen müßten dort aufgenommen werden.

Wednesday, February 28, 2007

Antisemitismus

Im Ruhwald Park (das ist am Spandauer Damm in der Nähe vom Wasserturm, für diejenigen von Euch, die diesen Park nicht kennen, meine Grundschule liegt direkt auf der anderen Straßenseite) ist in der Nacht zum Sonntag ein jüdischer Kindergarten verwüstet worden. Im Ruhwald Park! Der jüdische Kindergarten befindet sich anscheinend in der Villa in welcher früher Freunde von mir in den Hort gingen. Irgendwie hat mich das sehr geschockt, das ist so nah, da habe ich früher gewohnt. Ich war so oft im Ruhwald Park Basketball spielen, auf dem Spielplatz, Fahrrad fahren, rodeln. Ich habe da regelmäßig Kindergeburtstage gefeiert!

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, 'hat [deswegen] gutwillige Menschen aufgefordert, einen "Kippa-Test" zu machen, um das tägliche Bedrohungsgefühl eines in Deutschland lebenden Juden nachempfinden zu können. "Nicht-Juden sollten sich einfach mal eine Kippa (kreisförmige Kopfbedeckung, die Red.) auf den Kopf setzen oder einen Davidstern an die Kette hängen" (aus der FR).

Genau das werde ich machen, ich habe Herrn Joffe bereits eine Email geschrieben, weil ich keine Ahnung habe, wo man eigentlich eine Kippa herbekommt (oder wie die dann auf dem Kopf hält), hoffe, daß er (naja, seine Sekretärin) mir in den nächsten Tage antwortet und dann bin ich mal sehr gespannt darauf was passieren wird.